80 Jahre Judendeportation im Südwesten

Gedenktag am Gymnasium Wendalinum erinnert an Schicksal von

ST. WENDEL In der Aula des Gymnasiums Wendalinum hat der Landkreis St. Wendel im Beisein des Vorstandsvorsitzenden der Synagogengemeinde Saar, Richard Bermann, an die Judendeportationen während der sogenannten „Wagner-Bürckel-Aktion“ vor 80 Jahren erinnert. 1940 wurden während der Herrschaft der Nationalsozialisten rund 6500 Juden aus dem südwestdeutschen Raum in der Internierungslager Gurs in Frankreich deportiert.

Der aus Niederlinxweiler stammende Historiker Dr. Dieter Wolfanger referierte über das Lager Gurs und andere Stationen auf dem Schicksalsweg saarländischer Juden. „Für die Hälfte der Betroffenen war dies der Beginn eines Leidensweges, der schließlich nach Auschwitz führte. Keiner von ihnen hat dort den Tag der Befreiung vor 75 Jahren erlebt“, machte Dr. Wolfanger betroffen. Nur ein aus Werschweiler stammender Jude hat die Deportation überlebt, weil ihm zuvor die Flucht gelang.

Vor seinem Vortrag hatte die Stolperstein-AG der Gemeinschaftsschule Türkismühle Gelegenheit, ihre Arbeit zu präsentieren und ihre zahlreichen Aktivitäten auf dem Gebiet der Erinnerungskultur vorzustellen.

Landrat Udo Recktenwald lobt Erinnerungsarbeit

Landrat Udo Recktenwald betonte zu Beginn der Veranstaltung, dass die größte Katastrophe das Vergessen sei und der Landkreis sich deshalb für die Erinnerungsarbeit engagiere. „Wir tun dies alles in sehr enger Kooperation mit unseren Schulen, aber auch mit dem Adolf-Bender-Zentrum und dem Verein „Wider das Vergessen und gegen Rassismus“ in Marpingen“, so der Landrat. „Ich bin dafür sehr dankbar, da sie sich schon sehr viel länger als wir diesem Thema widmen.“

Es sei außerdem wichtig, die junge Generation mitzunehmen und das Thema in die Schulen zu tragen, erklärte Recktenwald. „Gerade heute ist es wichtiger denn je daran zu erinnern, wo rassistische und nationalistische Gedanken in Europa wieder erkennbar werden, wo relativiert und gehetzt wird, wo Menschen verhöhnt und bedroht werden, wo verbale aber auch physische Gewalt wieder um sich greift“, unterstrich der Landrat.

Abschließend präsentierte Kirchenrat Frank-Matthias Hofmann die Arbeit der Landesarbeitsgemeinschaft Erinnerungsarbeit im Saarland.

Die Veranstaltung wurde von dem Historiker Bernhard W. Planz moderiert. Die musikalische Umrahmung des Gedenktages übernahmen Ya-Wen Yang und Carolina Klein von der Kreismusikschule St. Wendel.jam

Eigenen Artikel verfassen Schreiben Sie Ihren eigenen Artikel und veröffentlichen Sie ihn auf wochenspiegelonline.de