140 Jahre Grube Frankenholz

Verschiedene Veranstaltungen erinnern an die Geschichte des Bergbaus am Höcherberg

FRANKENHOLZ Der Bergbau am Höcherberg ist tot, schon seit Jahrzehnten. Im Jahre 2012 haben die Glocken das Ende des Steinkohlenbergbaus an der Saar eingeläutet - eine Zäsur, nicht nur in der Wirtschaftsgeschichte des Landes. Mit einem Festakt im Düsseldorfer Landtag haben am 12. September 2018 Nordrhein-Westfalen und das Saarland das Ende des deutschen Steinkohlebergbaus gewürdigt. Am 21. Dezember 2018 fuhr die letzte Schicht auf Prosper Haniel ein, damit endete auch die Bergbaugeschichte für 756 saarländischen Bergleute, die nach dem Aus an der Saar nach Ibbenbüren verlegt worden waren.

„Orte der Erinnerung“ wie es heißt, gibt es überall, Bergbau-Erinnerungen landauf, landab. 2019 ist nun ein besonderes Erinnerungsjahr an den Bergbau am Höcherberg, vor allem für Frankenholz. In diesem Jahr sind es 140 Jahre her, als auf dem Plateau über dem Klemmlochtal oberhalb der „Gewanne in der Dreispitz“ am 1. August 1879 mit der Abteufung des ersten Schachtes der Frankenholzer Grubenanlage begonnen wurde. Es sind aber auch 60 Jahre her, als im Jahre 1959 die Anlage, nun als Bestandteil der neuen Grube St. Barbara Bexbach, geschlossen wurde. Als erste Grube im „neuen Bundesland Saarland“, nach der Rückkehr in die Bundesrepublik. Nicht nur für die betroffenen Bergleute und ihre Familien war dies ein tiefer Einschnitt, sondern für die gesamte Region. Mit der Abteufung von Schacht I im Jahre 1879 erfolgte nach einer langen Vorgeschichte praktisch der „Startschuss“ für den Aufbau des Bergwerks am Südhang des Höcherberges, das über Jahrzehnte hinweg die regionale Bergbaugeschichte geprägt hat und zu einem wesentlichen Bestandteil der Frankenholzer Dorfgeschichte geworden ist.

Wirtschaftlicher Aufschwung

Gerade der Bergbau hat ab Mitte des 19. Jahrhunderts das Gesicht der saarländischen Landschaft geformt und den wirtschaftlichen Aufschwung der gesamten Region garantiert und für eine regelrechte „Bevölkerungsexplosion“ gesorgt. Die Grube Frankenholz, mit den späteren Schächten III/IV in Höchen und V in Hangard, war einmal größte Privatgrube Bayerns, zeitweise verdienten 3000 Bergleute hier ihr Brot.

Es sei noch zu bemerken: Nach der Schließung der Grube „Consolidiertes Nordfeld“ in Höchen im Jahre 1905, übernahm die Grube Frankenholz die dortige Betriebseinrichtung und die Konzession. Die Tagesanlage selbst wurde versteigert. Auf dem alten sich in Privathand befindlichen Frankenholzer Grubengelände, es wurde 1960 von Saarberg verkauft, weisen gerade noch die ehem. Waschkaue am Eingang und die alte Maschinenhalle als Bauruine auf den einstmals bedeutenden Teil der Lokalgeschichte hin. Das Gelände ist heute ein “vergessenes” Zeugnis der Industriekultur, so wie Frankenholz als Bergmannsdorf „fast vergangen“ ist.

In diesem Erinnerungsjahr wird es in Frankenholz nicht, wie vor 40 Jahren bei der „Jahrhundertfeier“, zu großen Gedenkveranstaltungen kommen, man will aber trotzdem an die Gedenktage in mehrfacher Art erinnern. Ganz entgegen der gängigen Meinung: Warum soll man etwas feiern, was längst vergangen ist. Unter dem Motto „140 Jahre Grube Frankenholz - 60 Jahre Ende des Bergbaus am Höcherberg“, hat sich eine heimatkundliche Interessengruppe, eingebunden der Ortsvorsteher mit dem Ortsrat, der Heimatkundeverein Bexbach, die Knappenkameradschaft St. Barbara wie auch die Stadt Bexbach, nun auf den Weg gemacht, die regionale Bergbaugeschichte und das „Erbe des Bergbaues“ nicht ganz aus der „Erinnerungskiste“ verschwinden zu lassen. Man will keine Bergbauromantik betreiben, sondern mit einigen Aktionen soll die Bedeutung des Bergbaus für die Region an der Grenze zur Pfalz aufgezeigt werden.

Erinnerungsprogramm

So ist vor allem daran gedacht eine Info-Tafel im Eingangsbereich zur alten Grubenanlage zu errichten (Samstag, 19. Oktober, 16 Uhr), um mit Texten und Fotos die Geschichte direkt vor Ort darzustellen, weil eine derartige Informationsquelle dort gar nicht besteht. Vor allem für die Jugend und für die Neubürger und Interessierte, die oftmals gar nicht wissen, was hier einmal war. Auch eine Gedenkfeier im Martin-Niemöller-Haus (Sonntag, 20. Oktober, 10.30 Uhr) verbunden mit einer Ausstellung mit historischem Bildmaterial und eine Gedenkfeier mit Kranzniederlegung am unter Denkmalschutz stehenden Grab des Bergwerksgründers August Ferdinand Culmann auf dem alten Frankenholzer Friedhof (Sonntag, 27. Oktober, 15 Uhr), sollen in das „Erinnerungsprogramm“ eingebunden werden. Die Foto-Ausstellung ist geöffnet am Sonntag, 20. Oktober, bis 19 Uhr. Es soll auch eine Erinnerung an die Menschen wach gerufen werden, für die der Bergbau Alltag, Leben und Schicksal war. Allein bei bekannten größeren Unglücken (wie 1883, 1897, 1917, 1918, 1920 oder 1940/41) verloren rund 150 Bergleute ihr Leben unter Tage, ohne die mitzurechnen, die im Laufe der 80 Jahre in oder „auf“ der Grube den Bergmannstod erlitten haben Man kann es stets „gebetsmühlenhaft“ wiederholen: Die demographische Entwicklung von Frankenholz, ehedem Hofgut, und beschauliches Dörflein, sowie die Gestaltung des Ortsbildes sind entscheidend von der Grube beeinflusst worden. Ohne die Grube wäre Frankenholz also nicht was es heute ist. Dies trifft auch wohl auf die gesamte Region am Höcherberg zu. red./st

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