110 Jahre MGV „Harmonie“

Fraulauterner Sänger erinnern an ereignisreiche Vereinsgeschichte

FRAULAUTERN Der MGV „Harmonie“ Fraulautern kann auf eine 110-jährige bewegte Vereinsgeschichte zurückblicken:

Angefangen hat es im Frühjahr 1909, als 23 sangesfreudige junge Männer in Fraulautern im Gasthaus Harmonie einen neuen Gesangverein gründeten und nach ihrem Vereinslokal benannten.

Der Chor wuchs schnell heran und konnte durch zahlreiche Auftritte in der Öffentlichkeit glänzen, hatte zeitweilig sogar einen gemischten Chor mit rund 40 Mitgliedern. Unterbrochen wurde die Aufwärtsentwicklung durch den Ersten Weltkrieg, in dem 16 aktive Sänger ihr Leben lassen mussten.

In der Folgezeit konnte der Chor durch neu gewonnene Sänger und intensive Schulung eine Reihe von Preisen bei Gesangswettbewerben gewinnen, litt aber auch unter den politischen Wirren der französischen Verwaltung und der damaligen Weimarer Republik.

Seit 1927 leitete Fritz Glaesner die Harmonie. Erst 1970 gab er den Vorsitz an seinen Sohn Alfred Glaesner ab, der seinerseits dieses Amt 26 Jahre lang ausübte. Seit 2017 lenkt Peter Speth die Geschicke des Vereins.

Einen tiefen Einschnitt in der Vereinsgeschichte gab es 1936, als die Harmonie unter der Herrschaft der Nationalsozialisten zwangsweise mit dem größeren Sängerbund Fraulautern vereinigt wurde, was etliche Sänger aber nicht mitmachen wollten.

Während des Krieges ruhte der Chorgesang. Erst 1950 konnte die Harmonie neu gegründet werden und nahm mit 32 Sängern den Probenbetrieb wieder auf. 1954 wurde eine neue Vereinsfahne in Auftrag gegeben und dem Vernehmen nach aus Deutschland ins damals französisch verwaltete Saargebiet geschmuggelt.

Zeitweilig sangen mehr als 70 Männer im Männerchor und an die 40 Frauen im 1960 gegründeten Gemischten Chor. Die Mitgliederzahl stieg auf über 300 an, Zahlen, von denen man heute nur noch träumen kann.

Die Harmonie schloss im Laufe der Zeit Partnerschaften mit etlichen Vereinen im In- und Ausland, so mit einem Verein im ungarischen Siofok, in St. Nazaire, Neckarsulm, Hof oder Willisau in der Schweiz und sang im Rahmen der ersten deutsch-deutschen Städtepartnerschaft als Erster in Eisenhüttenstadt.

Zahlreiche Konzertreisen führten den Verein nach Frankreich, Österreich, Ungarn, Italien und in die Schweiz, aber auch in fast alle Regionen Deutschlands.

2010 wurde dem Chor durch die Verleihung der „Zelter Plakette“ zum hundertjährigen Bestehen eine große Ehre zuteil. Heute hat der Verein wie so viele mit dem Rückgang der Mitgliederzahlen, der Überalterung und der Bereitschaft in einem Chor zu singen zu kämpfen, ist aber sowohl mit seinem Gemischten wie mit seinem Männerchor immer noch in der Lage, bei Ortsveranstaltungen aufzutreten und gute Leistungen zu vollbringen.

Übrigens: Neue oder ehemals sangesfreudige Frauen und Männer sind jederzeit willkommen, geprobt wird montags von 19.30 Uhr an im Lokal „Edelweiß“ oder im Vereinshaus in Fraulautern. red./am

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