VÖLKLINGEN Mit einem Lächeln die Welt verändern

Sternsinger gehen Weg des Friedens zum Weltkulturerbe Völklinger Hütte

Glanz und Glamour sind die Stadt Völklingen und das Weltkulturerbe Völklinger Hütte schon länger gewöhnt, seitdem Goldschätze der Inkas und Pharaonen hier zu bewundern sind. Aber am 2. Januar 2020 (Donnerstag) machen ganz andere, nämliche lebendige Goldschätze in der Stadt Furore. Junge Majestäten haben sich zum Besuch angesagt, die traditionell Myrrhe, Weihrauch und Goldschatullen im Gepäck haben und überdies Sangesfreude und sehr viel Segen mitbringen: 300 bis 400 Sternsinger aus dem ganzen Bistum Trier treffen sich in Völklingen, um am zentralen Aussendungs-Gottesdienst mit Weihbischof Robert Brahm um 11 Uhr in der Kirche St. Eligius teilzunehmen und sich von dort auf einen „Weg des Friedens“ durch die Stadt zum Weltkulturerbe zu machen. Die Völklinger Oberbürgermeisterin Christiane Blatt und Ministerpräsident Tobias Hans werden die bistumsweite Eröffnung begleiten.

Der Geschäftsführer des Weltkulturerbes, Michael Schley, empfängt die jungen Friedensfürsten aus dem Orient und ihr Gefolge in der Gebläsehalle, wo auch der Segen (20*C+M+B+20) sichtbar angebracht wird. Nach der Segnung in Wort, Bild und Gesang gibt es einen Imbiss für die Könige, organisiert von den Maltesern aus Saarlouis.

Wer Lust hat, kann mit der Gruppe, mit der er angereist ist, die verschiedenen Ausstellungen und das Ferrodrom im Weltkulturerbe Völklinger Hütte kostenlos besuchen oder andere Angebote nutzen: In der Gebläsehalle gibt es Kinderschminken mit dem Kita-Team St. Eligius Völklingen, Button-Basteln mit Gisela Rink vom Kinderschutzbund und ein Kreativ-Angebot zur Gestaltung von Friedensbotschaften am Stand des Kindermissionswerks Aachen. Der türkische Frauenkulturverein „Violen e.V.“ bietet orientalische Kostbarkeiten an und die Warndtscouts bauen vor dem Haupteingang des Weltkulturerbes eine echte Jurte auf, wo sie Stockbrot backen..

Das Engagement aller Sternsinger gilt 2020 vor allem dem Libanon, dem Land im Nahen Osten, das durch den jahrelangen Krieg im Nachbarland Syrien tatsächlich von einer Flüchtlingskrise gebeutelt wird. Insgesamt hat der Libanon 4,5 Millionen Einwohner. 1,5 Millionen Menschen sind vor Terror und Krieg aus Syrien dorthin ausgewichen, das ist ein Drittel der Bevölkerung. Die Spannungen im Land sind enorm: Die Syrer, die für wenig Geld jede Arbeit annehmen, sind verhasst bei den Einheimischen. Allein 300 000 syrische Flüchtlingskinder gehen einer ausbeuterischen Tätigkeit nach und können keine Schule besuchen.

Dabei ist die libanesische Gesellschaft selbst von traumatisierenden Bürgerkriegserfahrungen und tiefsitzenden religiösen Konflikten geprägt. Das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ der katholischen Kirche unterstützt vor Ort Versöhnungsprojekte, die von Christen und Muslimen gemeinsam ins Leben gerufen worden sind wie die Aydan-Stiftung, die sich dafür einsetzt, dass Kinder mehr über die im Land vertretenen Religionen erfahren, Dialog und Toleranz erlernen, so dass Frieden und Gerechtigkeit in einer kulturell vielfältigen Gesellschaft überhaupt erst möglich werden.

Die Sternsinger-Aktion bietet Kindern in Deutschland eine große Chance: Kinder helfen Kindern. Sie erfahren, dass es zum ohnmächtigen Hinnehmen ungerechter Verhältnisse eine christliche Alternative gibt, dass sie macht- und sinnvoll helfen können. Bei ihrem Einsatz an den Haustüren sammeln sie Geld, das anderen Kindern in Not direkt zugutekommt. Dabei erleben sie, wieviel Spaß Engagement macht und wieviel Freude sie schenken. Nicht zufällig steht der Gottesdienst unter dem Motto „Das Lächeln (Gottes) verändert die Welt“. Am 2. Januar fangen die Sternsinger damit in der alten Hüttenstadt an.

Nach dem Eröffnungsgottesdienst, musikalisch mitgestaltet von der Band „JuGoDi“ aus Schmelz, ziehen die Sternsinger durch die Forbacher Passage in die Poststraße und am Bahnhof vorbei bis zum Herzstück der alten Völklinger Industriekultur. An der Spitze des Marschs wird das Friedenskreuz 2020 präsentiert, eine Skulptur des Eichstätter Künstlers Raphael Graf, von der man vermuten könnte, sie sei eigens für den Völklinger Friedensweg geschaffen worden. Denn dieses Kreuz aus Stahl ist umwunden von Olivenzweigen aus Draht und goldenen Holzperlen, die die Oliven darstellen. Um die Mitte des Kreuzes ist eine Weltkugel, ebenfalls aus Draht, gespannt, sodass das Kreuz den Globus mit beiden Achsen durchdringt. Dieses Symbol vereint 2020 alle weltkirchlichen Hilfswerke aus Deutschland in ihrem gemeinsamen Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden.

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