„Wir sind Partei für das Kind“

35 Evangelische Kindertageseinrichtungen im Saarland sind jetzt nach einer ISO-Norm zertifiziert

FRIEDRICHSTHAL „Es war viel Arbeit. Jetzt bringt es aber auch viel Gewinn“, sagt Martina Ullinger, Leiterin der Evangelischen Kindertagesstätte Friedrichsthal. Gemeint ist der Zertifizierungsprozess, dem sich ihre Einrichtung gemeinsam mit anderen 34 evangelischen Kindertageseinrichtungen im Saarland in den letzten beiden Jahren gestellt hat. In dicken Qualitätshandbüchern mit neun Kapiteln sind jetzt alle pädagogischen und organisatorischen Bereiche erfasst und die Arbeit genau beschrieben.

Bei einem Festakt im Evangelischen Lutherhaus in Friedrichsthal erhielten Vertreterinnen und Vertreter der Einrichtungen jetzt die Zertifikate ISO 9001/2015 sowie das ­BETA-Gütesiegel überreicht. Das Gütesiegel der Bundesvereinigung evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder bestätigt die Qualität der Arbeit, die das christliche Menschenbild als Teil des evangelischen Profils widerspiegelt. Die Abläufe in allen Einrichtungen wurden im Oktober letzten Jahres durch die Zertifizierungsgesellschaft proCum Cert überprüft.

„In unserem Qualitätshandbuch ist beispielsweise die Aufnahme neuer Kinder ganz genau geregelt“, erläutert Ullinger. „Vom Aufnahmegespräch, in dem die Bezugserzieherin mit den Eltern über die Besonderheiten des Kindes spricht, bis zum Eingewöhnungsgespräch nach sechs Wochen.“ Dabei reflektieren die Eltern und die pädagogische Fachkraft den Verlauf der Eingewöhnung. Auch viele Formalitäten seien festgelegt. So werde nichts vergessen.

Situationen vor Ort erarbeitet

Damit die individuellen Besonderheiten der einzelnen Einrichtungen Berücksichtigung finden, hat jede Tagesstätte zudem einen Verfahrensordner erarbeitet. Dieser geht dann auf die Situationen vor Ort ein, wie beispielsweise den Alltag mit Kinder mit Migrationshintergrund. „Zeit zu haben, um über die eigene Arbeit nachdenken zu können, war für unser Team in Friedrichsthal sehr hilfreich“, erklärt Ullinger. „Wir haben vieles hinterfragt und geändert.“ Im Verfahrensordner sind unter anderem auch die Bereiche Hauswirtschaft, Teamarbeit oder die Zusammenarbeit mit Kirchengemeinden geregelt.

Neben dem pädagogischen Bereich werden im Qualitätsmanagement auch die Trägerprozesse beschrieben. Hierbei geht es vor allem um die Personalentwicklung und die Fort- und Weiterbildung.

Qualitätsentwicklung fließender Prozess

„Qualitätsentwicklung ist ein fließender Prozess“, sagt Ullinger. „Wir treffen uns mit allen Leiterinnen der Einrichtungen regelmäßig, um zu überprüfen, ob die Prozesse in den Handbüchern noch den alltäglichen Herausforderungen dienen.“ Wenn nicht, werde nachgebessert. Jedes Jahr werden zudem einzelne Einrichtungen von einem Auditor überprüft. In drei Jahren erfolgt eine erneute Zertifizierung. Die Qualitätsentwicklung wird von einem Qualitätsbeauftragten koordiniert sowie von der Fachberatung „Kindertageseinrichtungen“ der Diakonie Saar fachlich begleitet.

Vor 15 Jahren sei Qualitätsentwicklung in der Jugendhilfe noch sehr umstritten gewesen, sagte Diakoniepfarrer Udo Blank im Festakt. Mittlerweile sei dies ganz anders. Er dankte allen, die sich in den 35 Kindertagesstätten auf den Weg gemacht hätten. Qualität schaffe Sicherheit, nicht zuletzt auch für die Mitarbeiterinnen, die Träger und die Eltern. Dabei stehe immer das Kind im Mittelpunkt. Blank: „Das klingt so selbstverständlich. Aber um es deutlich zu sagen: wir sind Partei für das Kind. Nicht für die Interessen der Wirtschaft, nicht die Objekte der Bildungspolitik oder die Spielwiese sonstiger Institutionen. Wir schauen auf das Kind und was es braucht. Das Kindeswohl steht im Vordergrund.“red./tt

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