Wir sind Europa!

Nous sommes l‘Europe! Wir sind Europa!- Gesamtschule Marpingen und Lycée Schuré aus dem Elsass gemeinsam auf Studienfahrt in Berlin

MARPINGEN Die Bilder der Verabschiedung in Frankfurt sprechen für sich: Nach sechs gemeinsamen Tagen sur la route haben sich die deutschen und französischen Schülerinnen und Schüler nicht nur kennengelernt. Freundschaften sind entstanden, man hat sich über politische Entwicklungen ausgetauscht, tagsüber Berliner Sehenswürdigkeiten besichtigt, abends gemeinsam Spaß gehabt.

Die erste politische Exkursion der Gemeinschaftsschule Marpingen und des Lycée Schuré aus dem elsässischen Barr ging in die Bundeshauptstadt Berlin und erwies sich als großer Erfolg. Am 31. März kamen die 20 Franzosen in Marpingen an und wurden gleich herzlich von den Familien der 23 Marpinger Schülerinnen und Schüler aufgenommen. Samstags ging es dann mit der Bahn für sechs Tage nach Berlin, wo das Rollenspiel im Bundestag und die Besichtigung des Bundeskanzleramtes mit der zweisprachigen Diskussion mit Alexander Breit, Sekretär von Kanzleramtsminister Altmeyer, die politischen Höhepunkte darstellten. „Ziel unserer Kooperation mit dem Lycée in Barr ist es, den jungen Leuten aus beiden Ländern das jeweils andere politische System vor Ort bekannt zu machen. Wir wollen Gelegenheiten zur Diskussion aktueller politischer Themen in beiden Sprachen bieten und auch die gemeinsame regionale Identität beiderseits der nationalen Grenze stärken“, erklärt Schulleiterin Petra Brenner-Wolff. „Die elsässischen Schüler waren gleich zu Anfang sehr offen gewesen“, schwärmt die 18-jährige Ann-Kathrin. Es habe zwar auch Verständigungsprobleme gegeben, doch diese hätten sich schnell gelegt. Neben deutsch und französisch half hierbei auch die englische Sprache. Als größere Herausforderung erwies sich allerdings, dass in Berlin die Zimmer gemischt belegt wurden. Es waren nun unbekannte Zimmermitbewohner, mit denen man sich auch bei Problemen verständigen musste. Doch spätestens nach der ersten Nacht war das Eis gebrochen, die gemeinsame Radtour zum Schloss Sanssouci am Sonntag begründete ein Gruppengefühl, das sich bis zur Rückfahrt am 6. April täglich verstärkte. Beeindruckt vom Reichstagsgebäude musste dann montags in den Original-Sitzungssälen des Bundestages ein Rollenspiel zum Gesetzgebungsprozess in Deutschland absolviert werden. Als Lohn für diese inhaltliche, sprachliche und kooperative Herausforderung gab es anschließend ein Mittagessen in der Bundestagskantine. Im Bundeskanzleramt, am Dienstagnachmittag besichtigt, staunten die jungen Leute nicht nur über die futuristische Architektur. Eine der beiden Teilgruppen hatte tatsächlich das Glück, Angela Merkel auf dem Weg zu einem Meeting im Weg zu stehen und mit einem „Hallo“ freundlich von ihr gegrüßt zu werden. Es folgte am Mittwoch ein Vortrag mit Diskussion in der saarländischen Landesvertretung, wo deren Leiter, Herr Schweizer, sowie Mme. Geugnard von der französischen Botschaft über die Bedeutung der deutsch-französischen Beziehungen und die Frankreichstrategie des Saarlandes informierten. „Es waren interessante Vorträge, die stets in beiden Sprachen geboten wurden, sodass es irgendwann selbstverständlich erschien, stets in Deutsch und Französisch zu kommunizieren“, berichtet Jana von ihren Erfahrungen. Neben diesem politischen Programm bleib aber auch genug Zeit, das Berliner Hauptstadtleben gemeinsam zu erkunden: Geführte Stadtspaziergänge, gemeinsame Mittagessen, Abtanzen in der Megadiskothek Matrix, eine Radtour, der Besuch des Neuen Museums mit der Büste der Nofretete und vor allem die Dachterrasse des Berliner Jugendhotels erwiesen sich als ausgezeichnete Gelegenheiten, sich kennenzulernen, auszutauschen, Erfahrungen zu teilen.

„Wir müssen es den jungen Leuten aus Deutschland und Frankreich ermöglichen, positive emotionale Erfahrungen miteinander zu machen“, lauteten die Worte der Vertreterin der französischen Botschaft, Mme. Geugnard. Genau dies scheint gelungen zu sein. Am Abschlusstag weinte man gemeinsam im Cinéma Paris am Kurfürstendamm über das Schicksal des deutsch-französischen Paares im Film „Frantz“, der zweisprachig aufgeführt wurde. Weitere Tränen gab es dann im Zug und bei der Verabschiedung im Hauptbahnhof Frankfurt. Dort trennte man sich. Die Marpinger fuhren zurück ins Saarland, die Gymnasiasten aus Barr ins Elsass. Doch schon Mitte Mai gibt es ein Wiedersehen. Aus Anlass des 60. Geburtstages der EU wird man sich für zwei Tage im Elsass erneut treffen und dabei auch das Europäische Parlament in Straßburg besuchen. Ganz im Sinne des Mottos, unter dem das saarländisch-elsässische Projekt steht: „Die EU – Es ist dein Europa. Wir sind Europa“.

Das Projekt findet nicht nur im Rahmen der Frankreichstrategie Unterstützung durch die Landesregierung, den Landtag und das Europaministerium, sondern auch von Seiten des Deutsch-Französischen Jugendwerks, des Bundestages sowie der Europaabgeordneten Leinen und Collin-Langen. Darüber hinaus fördern die VSE-Stiftung, die Asko-Europastiftung, die Firma Meiser GmbH, die SHS-Foundation sowie Unsere Volksbank im Kreis St. Wendel diesen innovativen Jugendaustausch, der realisiert wird von Muriel Nickels und Alexandre Bourgeois, Lehrer aus Barr, sowie Kristina Barnewold und Markus Mörsdorf, Lehrer an der Gemeinschaftsschule Marpingen. Das aktuelle Projekt findet im kommenden Schuljahr seine Fortsetzung in einer gemeinsamen Exkursion mit einer neuen binationalen Schülergruppe nach Brüssel und Straßburg sowie zu den politischen Institutionen der französischen Republik in Paris. Das Projekt hat sich für den saarländischen Weiterbildungspreis 2017 beworben, der im Juni vergeben wird.

 

Unser Leserreporter Markus Mörsdorf aus Marpingen

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