Traumhaftes Erzählen

Kino achteinhalb lädt mit drei Filmen zur „Traumschau“ ein

SAARBRÜCKEN Zu drei Filmen fernab der Alltagswahrnehmung lädt das DFG-Graduiertenkolleg „Europäische Traumkulturen“ in Kooperation mit dem Saarbrücker Kino achteinhalb ab 24. Mai unter dem Titel „Traumschau“ ein. Vor jeder Filmvorstellung wird ein kurzer Einführungsvortrag gehalten. Den Auftakt macht am Mittwoch, 24. Mai, 20 Uhr, Andrej Tarkowskis Meisterwerk Der Spiegel.

Der Russe Andrei Tarkowski wollte uns in seinen Filmen nie einfache Geschichten erzählen. Er lädt uns heute noch ein, in seinen Filmflüssen aufzugehen, das wahrzunehmen, was wir selber ahnen mögen, was sich uns aber so einfach nicht zeigt. Er selber notierte: „Das Unendliche ist etwas, das der Bildstruktur immanent ist.“ Am weitesten in Richtung traumhaftes Erzählen ging Tarkowski sicher in Der Spiegel, von dem man weiss, dass er sehr stark autobiografisch geprägt ist und wo man sehen kann, wie frei der Filmpoet jegliche Erzähl-Linearität aufhob, um uns zu anderen Zusammenhängen zu begleiten als jenen der zeitlichen Abfolge. Es geht ihm um Wahrnehmungen, die im menschlichen Erinnerungsvermögen weder eine lineare Struktur haben noch eine vollumfänglich teilbare Wahrheit. Ein Mann, Sohn geschiedener Eltern, bewegt sich auf der Suche nach der verlorenen Zeit und in ihr nach dem, was man als Identität bezeichnen könnte. Dabei ist hier, viel offensichtlicher als in den anderen Filmen Tarkowskis, das private Schicksal verbunden mit den gesellschaftlichen Umbrüchen der Sowjetunion zwischen 1930 und den späten 70er Jahren. Der Spiegel gilt als der stärkste, aber auch am schwierigsten zugängliche Film des Regisseurs von Andrej Rubljow und Stalker. Er spielt hier mit Spiegelbildern, die auseinander hervorgehen mögen, sich selber reflektieren und ineinander verschränkt sind – wie das menschliche Denken, wie das Erinnern. Gefühle, Momente des Biografischen, äussere Ereignisse, Wahrnehmungen, Menschen und Räume: Alles fügt sich zu einem Kaleidoskop, durch das man immer wieder blicken möchte. (Walter Ruggle, trigon-film)

Vor dem Film gibt es eine Einführung von Myriam Gindorf, DFG Graduiertenkolleg: Europäische Traumkultur, Universität des Saarlandes.

Es folgen am 31. Mai Neco Z Alenky (Etwas von Alice) von Jan Švankmajer, und am 7. Juni La Voce Della Luna (Die Stimme des Mondes) von Federico Fellini. red./sh

Eigenen Artikel verfassen Schreiben Sie Ihren eigenen Artikel und veröffentlichen Sie ihn auf wochenspiegelonline.de