Thema A6- Anschluss Homburg Bexbach

Leserbrief von Thorsten Besche

Kleinottweiler, der verratene und verkaufte Stadtteil!

Weil die B 423 zwischen Kleinottweiler und Homburg zu den Hauptverkehrszeiten überlastet ist, will man den bestehenden A6-Anschluss Homburg/Bexbach durch ein 3. „Ohr“ erweitern, um damit eine Entlastung der B 423 erreichen, obwohl schon seit 2010 eine neue A6-Anschlussstelle-Ost nördlich des Reiskircher Sportplatzes durch das Bundesverkehrsministerium genehmigt ist. Eine Umweltverträglichkeitsstudie („nur geringfügige Eingriffe in Landschaft und Natur“) liegt vor und die finanziellen Mittel liegen bereit. Auch kommt es dabei zu keiner Beeinträchtigung der Ortslage. Lärmschutzwände entlang der Erbach-Umgehung sind bereits großzügig installiert. Dies wurde auch noch einmal vom Landesamt für Straßenbau (LfS) im September 2013 in einer Homburger Stadtratssitzung bestätigt. Das LfS wies in dieser Sitzung noch einmal unmissverständlich darauf hin, dass die Planungen bzgl. des A6-Anschlusses-Ost weiter voran getrieben werden sollen.

 

Nunmehr soll stattdessen plötzlich der bestehende A6-Anschluss Homburg/Bexbach an der Ortsrandlage von Kleinottweiler durch ein 3. „Ohr“ erweitert werden.

Es stellt sich nun die Frage: Wer hat die neue A6-Anschlussstelle-Ost verhindert? Nur diese komplett neue A6-Anschlussstelle kann die B 423 zwischen Homburg und Bexbach entscheidend entlasten. Sie wurde von den Landesplanern deshalb auch zumindest bis Ende 2013 als die sachlich richtige und effektivere Lösung angesehen. Wieso nun diese Kehrtwende? Was hat sich seit 2013 hinter den Kulissen abgespielt, welche Einflussnahme ist erfolgt, welche Motive spielten dabei eine Rolle? Antworten hierauf sind bislang alle Verantwortlichen/Beteiligten schuldig geblieben.

 

Offenkundig ist, dass mit einer Erweiterung der A6-Anschlussstelle bei Kleinottweiler (sowohl im Zuge einer 3- als auch 4- Ohren Lösung ) folgende Negativauswirkungen verbunden sind: Abriegelung der L 218 in Richtung Reiskirchen und damit ersatzlose Beseitigung einer derzeit noch bestehenden Zu- und Abfahrtsstraße zum Autobahnanschluss, Verlagerung der Lichtzeichen-anlagen von der Homburger Seite der Autobahn auf die Kleinottweiler Seite, Erweiterung des Pendlerparkplatzes Kleinottweiler , Wegfall des Pendlerparkplatzes Reiskirchen. Damit werden alle Lasten den Bürgern von Kleinottweiler aufgebürdet (wesentlich mehr Verkehr, mehr Lärmbelästigung, mehr Luftverschmutzung, höheres Kriminalitätsrisiko, mehr Waldabholzung, mehr Vermüllung), was für Kleinottweiler absolut nicht hinnehmbar ist. Auch das Naherholungsgebiet um die Weiher in Jägersburg wäre zusätzlich verkehrsbelastet.

 

Durch die geplante 3-Ohren-Lösung wird die Lebensqualität von mehr als tausend Menschen in Kleinottweiler extrem beeinträchtigt. Kleinottweiler ist heute bereits von Verkehrswegen eingeschlossen. Die nahe gelegene A6 (ohne Lärmschutz), die am Ort vorbeiführende Umgehungsstraße (ohne Lärmschutz), die in Sichtweite gelegene Bahnstrecke zwischen Homburg und Bexbach (ohne Lärmschutz) und die innerörtliche „Transitstrecke“ Rheinland/Pfalz-Saarland (insbesondere Altstadter-, Homburger- und Jägersburger Straße). Hinzu kommt außerdem noch die Schadstoffbelastung durch das Kohlekraftwerk Bexbach.

Obwohl das Bundesverkehrsministerium die Verbindung der A6-Anschlussstelle-Ost über die ehemalige Bahntrasse der Glantalbahn und die 4-Ohren-Lösung aus Kostengründen ablehnt, bringen die Politiker in Homburg, Bexbach und Kirkel diese Variante immer wieder ins Gespräch. Sie führen somit eine reine Scheindiskussion, die an der Realität vorbei geht.

 

Einzig sinnvoll wäre, die zusätzliche A6-Anschlussstelle-Ost nördlich des Reiskircher Sportplatzes, welche bislang als verkehrslogistisch, finanziell und umweltverträglich sinnvoll und durchführbar ausgewiesen wurde auch voranzutreiben und über eine Erweiterung des bestehenden A6-Anschlusses bei Kleinottweiler erst dann ergebnisoffen zu diskutieren, wenn die Entlastungseffekte der primär erforderlichen Ostanbindung nach deren Realisierung in die Betrachtung mit einfließen können. Hierzu sei auch angemerkt, dass im Rahmen der Bexbacher Stadtratssitzung am 17.3.2015 von Seiten des LfS geäußert wurde, dass damit gerechnet werde, dass der zusätzlich Anschluss Ost für Kleinottweiler eine Verkehrsentlastung von bis zu rd. 64% bringe!

 

Bei dieser Thematik darf es nicht darum gehen, ob einzelnen Aktivisten aus dem Raum Reiskirchen die (nicht legitimierte) Zusage erteilt wurde, die zusätzliche Anbindung zu Gunsten der Erweiterung bei Kleinottweiler aufzugeben. Dies wäre untragbar und skandalös.

Alle Orte, die durch die A6-Baumaßnahmen betroffen sind wie Kleinottweiler, Erbach (insbesondere die Berliner Straße), Reiskirchen, Bruchhof und die Kleinottweilerstraße in Jägersburg müssen gleichsam ihre Interessen gewahrt wissen und fair entlastet werden. Die 3-Ohren-Lösung jedenfalls entlastet einzig und allein nur Reiskirchen und belastet dadurch die anderen Orte umso mehr, während eine neue zusätzliche A6-Anschlusstelle-Ost alle Orte gleichmäßig, fair und gerecht entlastet. Auch die im Gewerbegebiet Ost ansässigen Firmen sollten hieran ein Interesse haben, denn nur dieser zusätzliche Verkehrsweg garantiert ihnen eine direkte Zu- und Abfahrt des Güterverkehrs ohne Umwege durch Ortslagen.

In Kleinottweiler hat sich eine Protestbewegung formiert. Die Bürgerinitiative „Kein Ohr für Kleinottweiler“ ist dabei gewillt alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel aus zu schöpfen, um diese sachfremde und fatale Fehlentwicklung zu verhindern, ihre Anliegen und ihre Argumente finden sich unter www.a6-anschluiss.info

Unser Leserreporter Thorsten Besche aus Kleinottweiler

Eigenen Artikel verfassen Schreiben Sie Ihren eigenen Artikel und veröffentlichen Sie ihn auf wochenspiegelonline.de