Stiftung Schriftkultur setzt Akzente

Im Gut Königsbruch hat sich ein Zentrum für Kunst, Kalligraphie und Schriftkultur etabliert

BRUCHHOF-SANDDORF Gut sollte das historische Gut Königsbruch werden, sehr gut ist es geworden. Davon konnte man sich bereits beim Tag des offenen Denkmals im September einen Eindruck verschaffen.

Eine Weile noch werden zwar hier die Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen andauern, doch ist der historische Gutshof am Ortsausgang von Bruchhof-Sanddorf in den letzten zwei Jahren schon mal aus seinem langen Dornröschenschlaf erwacht. Einen wichtigen Beitrag hierzu hat Katharina Pieper geleistet, die den Ostflügel des Anwesens, der vor 250 Jahren als Scheune entstanden war, anmietete und darin für den von ihr geleiteten gemeinnützigen Verein „Stiftung Schriftkultur e.V.“ ein Zentrum für Kunst, Kalligrafie und Schriftkultur etabliert hat. Bereits seit Mai letzten Jahres finden hier Workshops in Sachen Schriftkunst statt. Auch eine Museumsgalerie ist im Gewölbekeller entstanden; ebenso hat in Kooperation mit dem Deutschen Zeitungsmuseum Wadgassen eine einzigartige und exzellent sortierte Fachbibliothek hier ihren Platz gefunden.

Einzigartige und exzellent sortierte Fachbibliothek

Mit der Gründung des Vereins und dem Umbau und der Nutzung eines Teils des repräsentativen spätbarocken Ensembles hat sich Katharia Pieper einen Lebenstraum erfüllt und kann von diesem zentralen Ort aus die Flamme ihrer Leidenschaft für Schrift und Schrifttechniken weiter nähren. Bereits im ersten Semester ihres Design-Studiums hatte sie sich für Schriftdesign begeistert und war niemals mehr danach von dieser Kunst weggekommen, „obwohl sie bei uns nicht als Kunst verstanden wird, sondern als Kunsthandwerk“, wie sie sagt. Überall in der Welt sei das Verständnis für die Schriftkultur ein anderes. Sie muss es wissen, denn als Schriftkünstlerin, Dozentin und Autorin ist die in Jägersburg beheimatete Expertin viel durch die arabischen, kyrillischen, chinesischen, indischen und lateinischen Schriftkultur-Kreise gereist und gilt als international ausgewiesene Expertin.

So war es in den 30 Jahren ihres beruflichen Lebens ein persönlicher Höhepunkt, als sie 2008 zur Internationalen Kalligrafie-Ausstellung in St. Petersburg eingeladen war, um mit 60 Künstlern aus allen Kontinenten eine Lanze für die Kraft und die Macht der Schriftsymbolik zu brechen. Ohne Schrift keine Kultur, keine Geschichte, keine Kommunikation über Generations- und Ländergrenzen hinweg, kein überliefertes Wissen, keine Geistesnahrung und keine Spiritualität. Zumindest nicht im sprachlichen Bereich. Ihre Leidenschaft hat sie über Jahre mit Jean Larcher geteilt. Der Lehrmeister in Sachen französischer Schriftkunst wurde ihr Lebensgefährte. 2015 starb er.

Nachlass von Jean Larcher

Seinen Nachlass verwaltet der Verein „Stiftung Schriftkultur“ auf Gut Königsbruch. So haben Künstler und Wissenschaftler Gelegenheit, sich mit der Kunst des Jean Larcher auseinanderzusetzen, oder sich in der von ihm zusammengetragenen Bibliothek Impulse für die eigene Arbeit geben zu lassen. Das Zentrum für Schriftkultur will eben auch Akademie sein, will mit Seminaren, Ausstellungen, Kursen, Workshops, Museumsbesuchen und Vorträgen mithelfen das Erbe menschlicher Schriftkultur zu bewahren und will dazu motivieren selbst kreativ zu werden. Als Künstlerin kennt sich Katharina Pieper vorzüglich im Spektrum geeigneter Materialien, Farben und Werkzeuge aus. Ihre vielfältigen nationalen und internationalen Ausstellungen sind Beweis dafür, aber auch ihre Buchpublikationen. Eines der wichtigsten Werke darin ist sicherlich das unter Experten stark nachgefragte Buch mit dem Lebenswerk von Jean Larcher. Seine Originale finden sich auch im Museumsbereich des Zentrums für Schriftkultur. Bei alledem bleibt Katharina Pieper aber bodenständig. Ausdruck hierfür ist ein aktuelles Werk, in dem sie Koch- und Schriftkunst miteinander genussvoll verbindet. Schmackhafte Rezepte in leidenschaftlichen Lettern. Für die Stadt Homburg gestaltet sie seit vielen Jahren die Seiten des „Goldenen Buches“, in dem sich herausragende Persönlichkeiten beim Besuch der Kreisstadt verewigen.

Infos: www.schriftkultur.eu. rk

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