Sprachförderprogramm für Kitas

Saarlandweites Projekt will Kindern Zeit und Raum zum Erzählen geben

LISDORF Wenn Annabelle Bonde morgens mit den Kindern und Erzieherinnen der Kita Herz-Jesu in Lisdorf im Stuhlkreis sitzt, dann achtet sie ganz genau darauf, was gesprochen wird. Sie ist eine von insgesamt neun Sprachfachkräften im Saarland, die in elf Kindertageseinrichtungen der Katholischen Kita gGmbH Saarland arbeiten.

„Unsere Hauptaufgabe besteht darin, Sprache verstärkt in den Alltag zu integrieren“, sagt Annabelle Bonde.

„Der Morgenkreis ist zum Beispiel eine wichtige Situation, um Sprache zu integrieren.“ Dabei geht es aber nicht darum, den Kindern Deutsch beizubringen. Die Sprachfachkräfte haben ein ganz anderes Ziel: „Es sollen Gespräche entstehen“, erklärt Bonde.

„Die Erzieherinnen sollen den Kindern nicht nur Fragen stellen, auf die mit ja oder nein geantwortet wird. Wir helfen dabei, zum Beispiel auf Fragestellungen zu achten, um Gespräche in Gang zu bringen.“

Kinga Smolka, ebenfalls Sprachfachkraft gibt ein Beispiel: „Ich habe die Kinder nach den Ferien zum Beispiel gefragt, was sie in den drei Wochen, in denen die Kita zu war, gemacht haben. Jedes Kind durfte erzählen. Die haben teilweise fünf Minuten und länger geredet.“ Genau das sei das Ziel der Sprachfachkräfte: den Kindern Zeit und Raum zum Erzählen zu geben.

„Unsere Aufgabe besteht nicht nur in der direkten Arbeit mit den Kindern. Wir besprechen uns vor allem auch mit den Erzieherinnen.“ Dabei gehe es nicht darum, den Erzieherinnen auf die Finger zu gucken, und sie zurechtzuweisen, sondern sie zu schulen, wie sie Sprachsituationen erkennen und fördern können.

„Wenn eine Erzieherin ein Kind zum Beispiel gerade wickelt, dann kann sie diese Situation nutzen, um in aller Ruhe mit dem Kind zu sprechen“, so Smolka.

Die dritte Säule neben der Arbeit mit den Kindern und der Schulung und Unterstützung der Erzieherinnen ist die Einbeziehung der Eltern in das Programm „Sprach-Kitas“, das vom Bundesministerium für Familien ins Leben gerufen wurde. Sprache soll auch außerhalb der Kitas weiter gefördert werden.

„Im Durchschnitt wird zu Hause nur noch zwölf Minuten am Tag miteinander geredet“, zitiert Annabelle Bonde eine Statistik. Das liege zum Teil daran, dass die Eltern oft beide berufstätig seien und deshalb nur wenig zu Hause bei ihren Kindern sind. Es liege aber auch an den neuen Medien, die schon in jungen Jahren einen immer größeren Platz zu Hause eingeräumt bekommen.

„Ich möchte eine Eltern-Kind-Bibliothek einrichten“, erzähl Annabelle Bonde. „Dort sollen Eltern sich zum Beispiel Bilderbücher ausleihen können. Damit man zu Hause nicht nur vor dem Fernseher sitzt und sich anschweigt, sondern auch mal ein Buch nimmt und sich darüber unterhält.“ red./am

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