Solidarität darf nicht abreißen

Bischof Karl-Heinz Wiesemann unterstreicht beim Caritas-Tag die Bedeutung der sozialen Mitte

ST. INGBERT „Das Jahresthema der Caritas ist Generationengerechtigkeit“, sagte der Vorsitzende des Caritasverbandes für die Diözese Speyer, Karl-Ludwig Hundemer, anlässlich des Caritas-Tages in St. Ingbert. Dieser stand unter dem Motto: „Mach dich stark für Generationengerechtigkeit“. Rund 500 Ehrenamtliche waren der Einladung in den saarländischen Teil der Diözese Speyer gefolgt. Zum ersten Mal seit acht Jahren fand der Caritas-Tag wieder im Saarland statt. Sich austauschen, Kraft und Inspiration für ihr weiteres ehrenamtliches Wirken erhalten, waren Gründe für die Ehrenamtlichen, teilzunehmen. Aber es gab auch zahlreiche Dankeschöns für sie und ihre Arbeit. In Form von netten Worten und Unterhaltungsangeboten, wie Konzert der Bergkapelle St. Ingbert, Kammerkonzert, Brauereibesuch und Ballettvorführungen. Die Verleihung des Nardini-Preises und die Ehrung langjähriger Ehrenamtlicher waren Höhepunkte des Tages, der mit der Solidaritätsaktion „Eine Million Sterne“ ausklang.

Engagement von 500 Ehrenamtlichen

Dem Thema Generationengerechtigkeit spürte Wiesemann in einer eindringlichen Predigt nach. Es habe auf der Welt immer eine Mitte gegeben, die für Solidarität stand. Diese Mitte drohe verloren zu gehen, sagte Wiesemann mit Blick auf die aktuelle politische und gesellschaftliche Lage, die auch bei Wahlen Ergebnisse zur Folge habe, die nie für denkbar gehalten worden seien. „Was passiert, wenn die Mitte verloren geht?“, fragte Wiesemann. Er definierte „Mitte“ als die Mitte der Gesellschaft, die Solidarität gelebt habe und Menschen aus unterschiedlichen Schichten eine Teilhabe am sozialen Leben ermöglicht habe. „Soziale und politische Verhältnisse verschieben sich“, resümierte Wiesemann. Ausgangspunkt seien die Verlierer der Mittelschicht. „Was hält die Gesellschaft noch zusammen, welche Solidarität“, fragte der Bischof. Reiße die Familie auseinander, reiße die Mitte auseinander, dann reiße die grundsätzliche Solidarität ab.

Deshalb sei es wichtig, den Fokus auf Menschen zu legen, die sich um diese Solidarität bemühen und dafür oft nicht die Anerkennung erführen, die ihnen zustehe, wie Mütter, die Kinder erzogen haben und heute nicht von ihrer Rente leben könnten, oder Menschen in Pflegeberufen. Bei jungen Leuten sei die Solidarität durchaus vorhanden, konstatierte Wiesemann. Aber wenn sie sagen würden, dass sie einen sozialen Beruf ergreifen, werde ihnen oft empfohlen, einen Beruf zu wählen, der Aufstiegschancen biete.

„Es ist unsere Aufgabe, diese Solidarität aufrecht zu erhalten, Hoffnung zu geben, gerade auch jungen Menschen“, forderte Wiesemann. Es brauche Rahmenbedingungen für Generationengerechtigkeit. Die Arbeit der Caritas sei unersetzlich, unterstrich er. Dem pflichtete der Vorsitzende des Caritasverbandes, Karl-Ludwig Hundemer, bei. Das Engagement der Ehrenamtlichen stehe für gelebte Solidarität. Das Engagement würdigte auch der Landrat des Saar-Pfalz-Kreises, Dr. Theophil Gallo: „Ich bewundere Menschen, die helfen, die erkennen, wo Not entsteht.“ „Durch ihr Engagement sind die Ehrenamtlichen Menschen, die im Mittelpunkt stehen, weil sie so auch andere Menschen dazu bewegen, sich ehrenamtlich einzubringen“, lobte St. Ingberts Bürgermeister Hans Wagner. Er nahm als Anregung vom Caritastag mit, auch mal einen Perspektivwechsel zu vollziehen, sich auf die Seite der anderen Generation zu stellen, um so besser zu verstehen. „Anpacken“ sei der richtige Begriff, der die Ehrenamtlichen antreibe, sich auf vielfältige Weise einzubringen, unterstrich der Sprecher des Leitungsteams „Forum Caritas-Ehrenamt“, Manfred Traub.

Schauen, staunen, hören, singen, lernen

Dass die Caritas anpacke, hatte die Beigeordnete der Stadt Homburg, Christine Becker, mit Blick auf die vielfältigen Aktivitäten der Caritas gewürdigt. Nachdem der Nardinipreis an den Caritasausschuss der Pfarrei Heilige Elisabeth für ein Projekt, das Haushaltshilfen aus Osteuropa Begegnungsmöglichkeiten bietet, verliehen war, hieß es sich erst einmal beim Mittagessen zu stärken. „Die beste linksrheinische Bergkapelle“, wie Andreas Heinz, der Leiter des Caritas-Zentrums Saarpfalz, mit Blick auf die Bergkapelle St. Ingbert feststellte, sorgte für den musikalischen Rahmen, während die fleißigen Helfer der Caritas die Ehrenamtlichen, die normalerweise selbst anpacken, dieses Mal bedienten und Mittagessen servierten. Schauen, staunen, hören, singen, lernen, hieß es am Nachmittag: Ein Angebot war die Besichtigung der St. Josefkirche, die mit 1200 Sitzplätzen eine der größten Kirchen im Bistum ist.

Vom Turm aus konnten die Besucher einen atemberaubenden Blick über St. Ingbert genießen. Auf dem Rückweg zur Stadthalle bestand Gelegenheit, einem Streichertrio der Hochschule Saarbrücken beim Kammerkonzert zu lauschen oder zu hören, welche Lieder sich die Teilnehmer des Angebotes „Offenes Singen“ erarbeitet hatten.

Viele „Aaahs, Oohs“ und Applaus gab es für die Ballerinas der Ballett-Abteilung der Homburger Narrenzunft. „Tanzen ist wie träumen mit den Füßen“, beschrieb Andreas Heinz treffend die Aufführung. Caritasdirektor Vinzenz du Bellier nahm dies schmunzelnd zum Anlass, um festzustellen, dass er froh sei, dass er die goldenen Ehrennadeln für langjährige Ehrenamtliche nicht tanzend überbringen müsse.

„Eine Million Sterne“

Zum Abschluss des Caritas-Tages brannte ein kleines Lichtermeer auf dem Marktplatz vor der Halle. Es war der Anteil des Caritas-Tages an der Aktion „Eine Million Sterne“. Zum zehnten Mal rief Caritas international, das weltweite Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes, zur Teilnahme an dieser Solidaritätsaktion auf. Der Erlös fließt Migrationszentren in Marokko zu, die die Caritas berät und betreut. Diese Zentren helfen unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen und Migranten. red./jj

Eigenen Artikel verfassen Schreiben Sie Ihren eigenen Artikel und veröffentlichen Sie ihn auf wochenspiegelonline.de