Schutz und Entwicklungsräume

Offener Treff der Diakonie für junge Frauen mit Migrationshintergrund in Völklingen

VÖLKLINGEN „Wir wollen den jungen Frauen, die nach Deutschland eingewandert oder geflüchtet sind, Frei-, Schutz und Entwicklungsräume bieten“, sagt Dr. Lydia Reuther, vom Jugendmigrationsdienst (JMD) der Diakonie in Völklingen.

Seit 2008 ist die Mädchen- und Frauenarbeit ein Schwerpunkt der Arbeit der Einrichtung. Mitarbeiterin Tatjana Brauer begleitet und unterstützt die jungen Menschen zusammen mit Reuther auf dem Integrationsweg.

Dazu gehört natürlich die individuelle Förderung: die Suche nach einem Sprachkurs, die Wahl der passenden Schule und dann die richtige Entscheidung, wenn es um die berufliche Ausbildung geht.

Aber es geht auch um ganz persönliche Dinge. „Die jungen Frauen bringen ganz unterschiedliche Schicksale mit“, weiß Brauer: „Sie haben in ihrem Leben, etwa auf der Flucht, schon sehr viel erlebt und müssen das verarbeiten.“

Dazu komme ein ganz neuer Kulturkreis mit anderen Werten und Normen, mit denen sie sich auseinandersetzen müssten.

Als zweites Element gehörte im vergangenen Jahr ein offener Treff im Haus der Diakonie in der Gatterstraße zum JMD-Programm. Dabei hat die Gruppe, unter anderem mit jungen Frauen aus Syrien, dem Irak oder Somalia, zum Thema „Frauenrechte“ gearbeitet.

Im Treff wird Deutsch gesprochen. Nur die Teilnehmerinnen, die der deutschen Sprachen noch nicht mächtig sind, werden durch Sprachmittlerinnen unterstützt. Brauer und Reuther laden auch ehemalige Schützlinge ein, die bereits ihren schulischen und beruflichen Weg gefunden haben.

„Die beiden Seiten lernen viel voneinander“, sagt Brauer.

Beim Thema „Frauenrechte“ ging es um die Rollenbilder der Frauen, in Deutschland und in anderen Kulturkreisen, um Frauen um Politik, das Frauenbild in der Werbung oder Hobbys, die Frauen in Deutschland haben können.

Es gab Informationen zum Frauenwahlrecht.

Auch die Kopftuchfrage wurde lebhaft diskutiert – mit dem Ergebnis, dass jede Frau selbst entscheiden müsse.

Exkursionen führten nach Mannheim und ins Brotbackhaus nach Lauterbach, wo gemeinsam Streuselkuchen und Brot gebacken wurde.

Zu einzelnen Themen waren auch Expertinnen eingeladen, wie bei einem Abschluss-Abend Mechthild Kartes von der Arbeitsstelle Frau und Beruf der Arbeitskammer und Guisy Grillo vom IQ-Netzwerk zur beruflichen Förderung von Migranten.

Gülsah Bora, die Integrationsbeauftragte der Stadt Völklingen, ermunterte die Frauen, sich beim neuen Integrationskonzept der Stadt mit ihren Ideen einzubringen.

„Sei Du selbst“, sang Jennifer Issa beim Abschlussabend im Haus der Diakonie. Sie studiert in Saarbrücken Soziale Arbeit und interpretiert bei der saarländischen Gruppe „Farbenblind“ ihre eigenen Songs. Sie hat syrische Wurzeln und hat die Arbeit im Projekt als Sprach- und Kulturmittlerin für Arabisch unterstützt.

Der offene Frauentreff wurde 2017 über das Bundesprogramm „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ im Regionalverband Saarbrücken gefördert. red./am

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