Schule ganz anders

In vielfacher Hinsicht lehrreich - Sozialpraktikum der Oberstufe erstmal in Frankreich absolviert

MARPINGEN „Für mich gibt es Wichtigeres im Leben als die Schule.“ Gern wird dieser Satz des berühmten amerikanischen Schriftstellers Mark Twain zitiert, der zugleich provozierend wie erhellend ist. Rund 70 Schülerinnen und Schüler der Gemeinschaftsschule Marpingen machten in der zweiten Septemberhälfte die Probe aufs Exempel. Für sie hieß es zwei Wochen lang pflegen, zuhören, anreichen und Hilfestellung geben statt pauken und Schulbank-drücken. Die Gemeinschaftsschule Marpingen ist eine der wenigen saarländischen Schulen, die in der Einführungsphase der Oberstufe ein zweiwöchiges Sozialpraktikum obligatorisch macht. Seit nunmehr sechs Jahren absolvieren die 15 bis 17-Jährigen in Seniorenheimen, Werkstätten und Wohnheimen für Behinderte, in integrativen Kindertagesstätten, in einer therapeutischen Reitschule, in Förderschulen oder auch, erstmals in diesem Jahr, im Migrationsdienst der Caritas einen zweiwöchigen Bick ins Leben. Ziel ist es, sie zur Reflexion eigener Lebensentwürfe zu animieren. „In der Erfahrung von Hilfsbedürftigkeit können die jungen Erwachsenen auch ihre Sensibilität für Grenzsituationen im Leben ausbauen, sie lernen zuzuhören und auch Situationen auszuhalten, die unangenehm oder ungewohnt sind“, so Petra Brenner-Wolff, die Schulleiterin der Gemeinschaftsschule. Sie hat das Projekt „Sozialpraktikum in der Oberstufe“ vor 6 Jahren ins Leben gerufen.

Erstmals waren in diesem Jahr fünf Marpinger, ein junger Mann und vier junge Frauen, in den Sozialeinrichtungen der Partnerschule Lycée Schuré im elsässischen Barr eingesetzt. Selina Spohn, Simon Krämer, Elena Folz, Laura Rausch-Dupont und Lucy Becker wagten den Sprung über die Sprachgrenze und engagierten sich tatkräftig in der schulischen Sozialarbeit. Und sie lernten nebenbei zum einen unglaublich viel in der französischen Sprache hinzu, zum anderen aber auch das ungute Gefühl kennen und aushalten, sich nicht mitteilen zu können, fremd zu sein. Sie arbeiteten tatkräftig in den Integrationsklassen des Collège Torenberg, einer Nachbarschule des Lycée Schuré, mit. Sie halfen beim Entwurf von Ferienfreizeitplänen des „Service Animation Jeunesse“, einer Einrichtung der Jugendhilfe. Sie unterstützten die Schulsozialarbeiterinnen bei der Organisation des Schulalltags und des schuleigenen Internats. Und das alles in Französisch. Dass dies am Anfang natürlich eine große Herausforderung darstellte und fast alle auch ‘mal an ihre sprachlichen wie mentalen Grenzen stießen, gehörte mit zur Erfahrung, die nun im Praktikumsbericht reflektiert werden wird.

Das deutsch-französische Austauschprojekt im Bereich des Sozialpraktikums wird in Marpingen als ein Baustein der Stratégie France der Landesregierung verstanden, die von der Gemeinschaftsschule tatkräftig unterstützt wird. Ziel ist es, die französische Sprache in den Alltag vieler Marpinger Schülerinnen und Schüler zu bringen, sodass sie als selbstverständlicher Teil der Kommunikation auch außerhalb des Fremdsprachenunterrichts erfahren werden kann. Neben dem Sozialpraktikum in Frankreich bilden gemeinsame politische Studienfahrten nach Berlin, Brüssel und Paris einen zweiten Schwerpunkt. Die Premiere des Sozialpraktikums in Frankreich haben jedenfalls alle fünf mit Bravour bestanden und können dieses uneingeschränkt den zukünftigen Oberstufenschülern in Marpingen weiterempfehlen.

 

Unser Leserreporter Markus Mörsdorf aus Marpingen

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