Rollstuhlstück

Szenisches Leseprojekt im KuBa

SAARBRÜCKEN In der Reihe HörBar lädt das KuBa – Kulturzentrum am Eurobahnhof für Donnerstag, 16. November, 19 Uhr, zu „Jürg Amann: Rollstuhlstück“, ein szenisches Leseprojekt ein. Mitwirkende sind Christian Döß, Saxophon-Improvisationen, und Stefan Schön, Einrichtung des Textes, Interpret.

„Wir machen jetzt das Theater im Kopf, von dem wir immer gewusst haben, dass es besser ist als das Theater auf dem Theater.“ (Jürg Amann)

Ein alter Mann geht in knappen Schritten in einem einzigen Gang einmal quer über die Bühne. Vor sich hat er einen Rollstuhl, den er schiebt. Er unterhält sich mit jemandem, der in dem Rollstuhl sitzt. Die in dem Rollstuhl sitzt. Es wird offenbar: es ist seine Frau. Wir hören sie nur als Angesprochene. Wir sehen sie nicht. Noch weniger erblicken wir das Gefährt. Insofern wirklich ein „virtuelles Stück“, wie es Jürg Amann in der Widmung an Stefan Schön selbst bezeichnete, und aus dem Schön für die HörBar des KuBa ein szenisches Leseprojekt entwickelte.

Was für ein Text. Was für ein Stück. Oftmals nur ein Wort. Abgeschmeckt. Nachgehört. Zelebriert. Von einem anderen Wort ergänzt. Durch ein abermaliges Wort zu einem ganzen Satz gefügt. Zur Sinneinheit gebracht.

Die Regieanweisungen spricht er mit. Und geht. Und hält inne. Und spricht. So reflektiert er sein und seiner Gefährtin Leben. Glückhafte Momente. Unsinniges. Unsagbares. Fehlerhaftes. Unglücke. Schicksal. Erst im weiteren Gang erfüllt sich der Lauf eines ganzen Lebens. Komplettiert sich das Enigmatische. Ein leises, poetisches Werk. Das durch seinen Witz imponiert. Das durch seine Behutsamkeit glänzt.

Der Eintritt ist frei. red./sh

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