Projekt Ellenfeld realisierbar

Borussias Fans würden den 1. FC Saarbrücken mit offenen Armen empfangen

NEUNKIRCHEN „He´s a real no-where man, sitting in his no-where-land, making all his no-where-plans for nobody.” Ein bisschen wie der von den Beatles in den 60er Jahren besungene „no-where-man“ muss sich derzeit der 1. FC Saarbrücken vorkommen. Nicht nur, dass die höchst umstrittene Aufstiegsregelung zur dritten Liga konkrete Planungen erschwert, auch die ungeklärte Stadionsituation macht den im Arbeiterstadtteil Malstatt verwurzelten Traditionsclub aus der saarländischen Landeshauptstadt derzeit zu einem heimatlosen Wanderer zwischen den Welten.

Da sich die anvisierte Interimslösung, mit Beginn der kommenden Saison während der Umbauphase im Ludwigspark zu spielen, aus logistischen Gründen nicht verwirklichen lässt, ist die Vereinsführung des FCS auf der Suche nach einem Ausweichquartier. Dabei tickt die Uhr unaufhaltsam.

Der Spitzenreiter der Regionalliga Südwest muss bis Ende März die Unterlagen zum Lizenzierungsverfahren zur 3. Liga beim DFB einreichen. Darin muss neben den finanziellen Rahmenbedingungen nicht nur eine taugliche Spielstätte, sondern auch ein entsprechendes Ausweichstadion angegeben werden.

„Wir werden erklären müssen, wo wir spielen, und wenn das bislang nicht drittligatauglich ist, wie es dazu gemacht wird“, umschreibt FCS-Sportdirektor Markus Mann die Aufgabe, um die sich Vorstandsmitglied Christian Seiffert kümmert. Der hat sich mittlerweile alle im Saarland möglichen Optionen angeschaut und für eine Sitzung der Vereinsgremien eine entsprechende Aufstellung erarbeitet. Die gute Nachricht: „Alle geprüften Standorte sind mit unterschiedlichem Aufwand machbar“, erklärt Präsident Hartmut Ostermann.

Zu diesen Standorten gehört neben Völklingen, Elversberg und Homburg auch das Ellenfeld-Stadion. Für die Anhänger des FCS, die keine Lust mehr haben, sich noch länger als „Volk ohne Heimat“ verspotten zu lassen, ist die altehrwürdige Arena in Neunkirchen die erste Wahl. Schon vor zwei Jahren haben sie die Internet-Petition „Pro Ellenfeld“ ins Leben gerufen.

In noch nicht einmal 24 Stunden registrierten sich 1500 Unterstützer – „eine Größenordnung, die bei den Überlegungen zum Spielort bei den Verantwortlichen nicht außer Acht gelassen werden darf. Diesem Echo kann sich in der Landeshauptstadt keiner entziehen“, heißt es in einem Kommentar. Maßgebend dabei ist nicht nur das freundschaftliche Klima zwischen den Fans beider Clubs, sondern auch der Charme der Arena, die als reines Fußballstadion mit den steilen Rängen eine unvergleichlich dichte und stimmungsvolle Atmosphäre erzeugt.

Bei der Borussia stoßen diese Stimmen auf offene Ohren. Der Vorstand hat eine Präsentation erarbeitet, die unter dem Motto „Pro´s for 4“ Vorteile für alle Beteiligten (Städte Saarbrücken und Neunkirchen, Vereine FCS und Borussia) zusammenstellt und eine klare „win-win-win-win-Situatiion“ herausarbeitet.

Dabei stehen der Erhalt der baulichen Substanz des Stadions mit vergleichsweise geringem Aufwand und in relativ kurzer Zeit, die erleichterte Umsetzung eines Multifunktions-Konzeptes, die durch das erhöhte Zuschaueraufkommen steigenden Umsätze in Einzelhandel und Gastronomie und die gute Verkehrsanbindung über das Autobahnnetz im Mittelpunkt. Zudem ermöglicht die gegenüber den anderen Spielstätten deutlich höhere Zuschauerkapazität (2.300 Sitzplätze, ca. 14.000 Stehplätze) dem 1. FC Saarbrücken erhebliche Mehreinnahmen.

Auch eine Flutlichtfirma hat das Ellenfeld bereits inspiziert. Borussias Offerte an den 1. FC Saarbrücken ist also bestens vorbereitet.

Eine Renovierung des Ellenfelds könnte für neue Geschichten sorgen, wieder Begeisterung wecken und Strahlkraft auf die Fußballfreunde des Saarlandes ausüben. „Wer von ganz oben auf der Steiltribüne im Ellenfeldstadion nach unten blickt, weiß, dass Steine leben. Nicht biologisch, aber in der Erinnerung. Es ist ein magischer Ort. Jede Ritze, jede Fuge verströmt den Geist der Zeit. Wie eine Trutzburg des alten Fußballs liegt das Ellenfeld mitten in Neunkirchen“, ist in einem Beitrag von Eric Thielen auf der Internetseite „16vor.de“.

Wenn es demnächst auch mal die blau-schwarzen Hemden des FCS wären – den Borussen-Fans wäre es nur recht. Anlässlich des ersten Fan-Stammtisches setzten sie ein klares Signal: Willkommen, FCS! Und der „no-where-man“ hätte, als gern gesehener Gast, wieder eine sportliche Heimat gefunden. Zumindest vorübergehend.red./eck

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