ohhh leck...

Ohhh, leck…

Das Erste Mal wurde ich mit den Besonderheiten der saarländischen Mundart „konfrontiert“, als ich zugegen war, als der Mann meiner Träume – den ich bisher nur ein einziges Mal gesehen, dafür aber unzählige Male mit ihm telefoniert hatte (er spricht fließend hochdeutsch) – sich mit seiner Schwester unterhielt.

Wir trafen uns im Thüringischen und saßen zusammen in einem gemütlichen, kleinen Lokal. Jeder hatte sich etwas Leckeres zu trinken bestellt und wir plauderten ein wenig zusammen.

Als sich das Gespräch zwischen dem Geschwisterpaar auf Dinge bezog, bei denen ich nicht mitreden konnte – weil es mich zu dieser Zeit „noch nicht gab“ – lehnte ich mich entspannt zurück und lauschte interessiert dessen, was so besprochen wurde.

Mit der Zeit stellte ich fest, dass die beiden mehr und mehr in ihre Mundart verfielen und erfreute mich an den unbekannten Klängen. Manches verstand ich wirklich nicht. Aber vieles konnte ich mir zusammen reimen. Ach war das köstlich! 

Aber dann legte sich meine Stirn in Falten. Da wurde von irgendetwas gesprochen, das ich nicht zuordnen konnte. Es musste ein Ding sein, so entschied ich für mich, weil es immer wieder mit „ES“ oder „ET“ bezeichnet wurde. Geschlechtslos also…

So, als wenn man einen Tennisball mit den Augen verfolgt, gingen meine Blicke zwischen den beiden hin und her. Es musste doch herauszubekommen sein, wovon sie sprachen!

Ich konnte keinen Zusammenhang herstellen, so sehr ich mich auch bemühte.

„ES (ET)“ hatte aber einen Frauennamen. Hmmmm….

Handelte es sich hierbei wirklich um ein weibliches Wesen? Es schien fast so. vorstellen konnte ich es mir aber nicht. 

Als wir dann wieder allein auf unserem Zimmer waren, fragte ich meinen Freund, was es mit dieser ominösen Person auf sich hatte.

Hatten die beiden WIRKLICH von einer Frau gesprochen?

Lachend wurde mir das bestätigt. Ja, es war eine Dame. Und auch wenn in diesem Zusammenhang von „ES“ oder „IHM“ gesprochen wurde, so war das kein Ausdruck von Diskriminierung oder Ablehnung.

So redet man halt im Saarland, wenn man den Namen nicht wiederholen möchte, sondern dafür ganz einfach ein Personalpronomen hernimmt. Das lautet hier also nicht „SIE“, sondern einfach „ES“ oder eben „ET“. Je nachdem, wo man sich gerade in dem schönsten Bundesland der Welt befindet…

Ich habe auch erfahren, dass Ehemänner ihre Angetrauten als „MEINS“ oder „MEINT“ bezeichnen. Ich finde darin nichts Abwertendes. Es ist auf gewisse Weise sehr liebevoll ausgedrückt, wie ich finde.

Frauen bezeichnen ja ihre Ehemänner auch sehr besitzanzeigend als „MEINER“.

Gleichberechtigung herrscht also hier schon.

Aber noch viele andere Wortspiele versetzen mich immer wieder in Verzückung.

Immerhin bin ich schon ein ganzes Jahr hier.

Fluchen oder sich wundern, oder etwas anerkennen, oder etwas befürchten, kann man ganz einfach sprachlich ausdrücken, in dem man sagt, stöhnt oder haucht:

„OH LECK…“

Als ich diesen Ausdruck das erste Mal hörte, schaute ich den Sprechenden erwartungsvoll an, denn ich dachte, es kommt noch was. Zum Beispiel: „oh leck mich am A…“

Aber es kam nichts mehr.

Und wie gesagt, auch die Situationen in der diese Worte Anwendung finden, sind vollkommen unterschiedlich. Wie schon beschrieben, können diese unangenehmer als auch positiver Natur sein. Ich finde das einfach faszinierend!

Ich habe mich ertappt, dass mir – wenn ich still vor mich hin fluche, weil wieder einmal gar nichts gelingen will oder ich mich verzettelt habe oder ich spontan etwas Schönes sehe oder ich mich quäle, weil ich eine Sache unbedingt geregelt bekommen möchte – diese beiden Worte unwillkürlich leise über die Lippen rutschen.

Zuerst habe ich mich deswegen erschrocken. Inzwischen lasse ich auf diese Weise ganz unauffällig Dampf ab und es geht mir sogleich viel besser.

Beispielsweise kann man „oh leck…“ sagen, wenn man bemerkt, dass die Suppe überkocht, weil man eben auf dem Balkon die Wäsche aufgehängt oder abgenommen hat. Beim säubern des Herdes kann man es so oft wiederholen, wie man will.

Oder man kann es erschrocken ausrufen, wenn man sich bei einem zweistündigen Telefonat mit einer Freundin verplaudert hat, obwohl man ihr nur für das Treffen am kommenden Wochenende zusagen wollte. Dieses Treffen muss man dann fast nicht mehr besuchen, da man ja schon am Telefon alles besprochen hat.

Oder man kann es stöhnen, wenn man die Capri-Jeans vom vergangenen Jahr anprobiert und bemerkt, dass sie doch ziemlich knapp – fast schon unbequem – sitzt.

Man kann es aber auch andächtig flüstern, wenn man auf einmal vor einem Feld steht, auf dem Millionen Mohnblumen und Kornblumen blühen. Just da, wo man es am allerwenigsten vermutet hätte…

Ja, und nun schaue ich auf die Uhr, weil es doch schon mal Zeit für das Mittagessen wird, nicht wahr? Ich traue meinen Augen nicht als ich sehe, dass es bereits kurz vor halb drei ist!  

Oh leck…!!!!

Leserreporterin Regina Gruhne aus Wadgassen

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