Nicht nur reden, sondern handeln

In Wadern startete jetzt ein Pilotprojekt des saarländischen Handwerks mit 20 Flüchtlingen

WADERN In Wadern startete ein Pilotprojekt mit 20 Flüchtlingen, zumeist Syrer, dessen Ziel es ist, im Rahmen eines Deutschkurses Handwerksbetriebe und Berufe kennen zu lernen. Das Ganze ist ein Projekt des Saarländischen Handwerks, des Bündnisses für Flüchtlinge Wadern und der Stadt, das von der „Stiftung Saarländisches Handwerk“ finanziert wird.

Ministerpräsidentin zeigte sich von dem Projekt beeindruckt

Es wurde für den Kurs ein zusätzliches Beratungsmodul entwickelt, mit dem bisherige berufliche Erfahrungen, Sprachniveau, Kompetenzen und Interessen eines jeden Flüchtlings individuell erfasst werden. Die Teilnehmer werden so vorbereitet, dass sie möglich rasch eine Ausbildung, ein Praktikum oder eine Beschäftigung im Handwerk starten können. Die Handwerkskammer (HWK) hat dazu bereits eine Liste interessierter Mitgliedsbetriebe, welche die Flüchtlinge im Rahmen des Sprachkurses in Besuchen kennen lernen.

Dieser Tage waren Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer und der HWK-Präsident Bernd Wegner in Wadern, um das Projekt vorzustellen. Carmen Koscheny vom „Bündnis für Flüchtlinge Wadern“ begrüßte die Besucher. Sie erklärte, 90 ehrenamtlich Tätige hätten sich im Bündnis zusammen geschlossen. Ziel sei es den Flüchtlingen rasch ein Praktikum, eine Ausbildung oder eine Beschäftigung im Handwerk zu ermöglichen. Einige Kursteilnehmer hätten bereits in Syrien im Handwerk gearbeitet, zum Beispiel als Maurer, Goldschmied, Elektriker oder Friseurin.

Die Ministerpräsidentin zeigte sich von dem Projekt beeindruckt. „Es freut mich, das ehrenamtliche Helfer und die Stadt Wadern gemeinsam mit der HWK einen so wichtigen Beitrag dazu leisten, dass Flüchtlinge im Saarland nicht nur willkommen geheißen, sondern in unsere Gesellschaft integriert werden. Wir wünschen, dass sie auf eigenen Beinen stehen und ihre Familien selbst ernähren können. Dies braucht etwas Zeit. Das Projekt soll mit dazu beitragen. Sie haben schwere Aufgaben vor sich. Ich bin mir sicher, dass Sie diese meistern werden“, so die Ministerpräsidentin.

HWK-Präsident Wegner betonte, der Sprachkurs sei keine Einzelmaßnahme, sondern ein Pilotprojekt, das zu einem ganzen Maßnahmenpaket gehört. „Wir wollen als Handwerkskammer nicht nur reden, sondern handeln. Hier können wir 20 interessierten Menschen eine Chance geben, im Handwerk eine Beschäftigung zu finden.

Das Handwerk sucht Mitarbeiter, die qualifiziert und leistungswillig sind. Auch außerhalb dieses Kurses engagiert sich die Handwerkskammer in einem ganzen Maßnahmenbündel, zu dem wir eine Task-Force in unsere Hause eingerichtet haben“, so der Handwerkskammer-Präsident. Im Rahmen des Besuches überreichte Albert Räsch vom „Bündnis für Flüchtlinge Wadern“, Helferkreis Wadrill, der Ministerpräsidentin eine Unterschriftenliste mit fast 400 Unterschriften gegen die drohende Abschiebung der Familie Alsharif/Almalih.

Die Familie wohnt seit November 2014 in Wadrill und ist das Bindemitglied zwischen den Helfern und den übrigen – arabisch sprechenden – Flüchtlingen.

Handwerk sucht qualifizierte und leistungswillige Mitarbeiter

Amer Alsharif und Diana Almalih und ihre beiden Kleinkinder sind von der Abschiebung nach Rumänien bedroht, weil sie dort nach ihrer Ankunft in der EU vor zwei Jahren Asyl erhalten haben. Vor allem wegen der beiden Kleinkinder halten der Helferverein und viele Bürger die Abschiebung in die hinreichend bekannten unmenschlichen Zustände für Flüchtlinge in Rumänien für unzumutbar.mei

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