Landesaufnahmestelle nochmals erweitert

Flüchtlingsandrang ist ebenso groß wie die Hilfsbereitschaft

LEBACH Eigentlich hat die Landesaufnahmestelle für Vertriebene und Flüchtlinge in der Edith-Stein-Siedlung am Rande der Dillinger Straße nur Platz für rund 1.300 Asylbewerber. Derzeit suchen allerdings fast doppelt so viele Menschen, vordringlich Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien, in ihr Zuflucht vor Kugeln, Bomben und marodierenden IS-Milizen.

Seit Monaten reißt der Flüchtlingsstrom nach Deutschland nicht ab. In Lebach kommen täglich durchschnittlich rund 130 Flüchtlinge neu an. Die Lebacher Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge bewältigt im Schnitt rund 200 Fälle täglich, bei denen es um die grundlegende Entscheidung geht, ob der Status des Flüchtlings mit damit einher gehendem Bleiberecht anerkannt wird oder ob der Asylantrag abgelehnt und der Antragsteller wieder in sein Heimatland zurückgeführt wird. Durchschnittlich dauert ein Asylverfahren in Lebach dreieinhalb Monate.

Möglich wurde die Überbelegung der Landesaufnahmestelle durch den Bau von zwei mobilen Hallen, die jeweils 500 zusätzliche Plätze bieten. Nur so war es möglich, dass die Landesaufnahmestelle kürzlich rund 600 zusätzliche Flüchtlinge direkt aus München nach Lebach transportieren lassen konnte. Innenminister Klaus Bouillon plant nun den Bau von zwei weiteren mobilen Hallen, um die Kapazität der Landesaufnahmestelle nochmals um 1000 Plätze zu erweitern. Die zusätzlichen Hallen ermöglichen dann auch eine bessere Selektion nach Frauen und Männern bzw. Familien.

Die Lebacher Stadtverwaltung ist seit Monaten in das Geschehen involviert; regelmäßig nehmen entweder Bürgermeister Klauspeter Brill selbst oder ein von ihm beauftragter Mitarbeiter der Stadtverwaltung an Lagebesprechungen vor Ort in der Landesaufnahmestelle teil, um eine optimale Abstimmung sowie einen permanenten Informationsfluss zu gewährleisten.

An der Grenze des Zumutbaren

Viele ehrenamtliche Helfer aus Lebach und der Umgebung fanden sich vor Beginn der Sommerferien bereit, die anfangs eher chaotischen Zustände zu ordnen und mit dazu beizutragen, dass die ankommenden Flüchtlinge schnell und unkompliziert mit dem Nötigsten versorgt werden. Insbesondere die Hilfsorganisationen wie das DRK, das THW, die Caritas, die Diakonie, die Malteser, das DLRG sowie die Feuerwehr waren und sind teilweise noch immer vor Ort, um zu helfen. Auch die Spenden- und Hilfsbereitschaft der Bevölkerung ist überaus groß und ungebrochen.

Doch die andauernde Überbelegung – so haben es die im Lebacher Stadtrat vertretenen Fraktionen im Rahmen einer Resolution kundgetan – stellt für die Lebacher Bevölkerung eine große Belastung dar. Unter anderem wird darin die Forderung erhoben, mittelfristig den Regelzustand der Landesaufnahmestelle wieder herzustellen.

Seitens des Städte- und Gemeindetages wurde zwischenzeitlich die Forderung nach einer zweiten saarländischen Aufnahmestelle erhoben, die allerdings sowohl von Innenminister Klaus Bouillon als auch von Sozialministerin Monika Bachmann aus verschiedenen Gründen abgelehnt wird.

Der Lebacher Bürgermeister Klauspeter Brill: „In Bezug auf die Landesaufnahmestelle treiben mich zwei Sorgen um. Zum einen zeigt ein Blick in die mobilen Hallen, wie die Flüchtlinge dort untergebracht sind. Keinerlei Privatsphäre und hygienische Bedingungen hart an der Grenze des Zumutbaren. Und wehe, wenn mit dem schlechter werdenden Wetter die erste Erkältungs- oder Grippewelle einsetzt. Ich stehe voll hinter der Resolution des Stadtrates, der sich dafür ausgesprochen hat, diese Ausnahmesituation schnellstmöglich auf das Normalmaß zurückzuführen.“ Und weiter: „Meine zweite Sorge gilt der Lebacher Bevölkerung. Viele haben Kleidung und Geld gespendet, und die aktive Hilfe der vielen ehrenamtlichen Helfer vor Ort ist wirklich überwältigend. Einmal mehr war ich in den letzten Wochen und Monaten sehr stolz darauf, Bürgermeister einer Stadt mit derartiger Hilfsbereitschaft sein zu dürfen. Aber ich sehe auch die zusätzlichen Belastungen, die die Überbelegung der Landesaufnahmestelle im Alltag mit sich bringt. Auch und nicht zuletzt aus diesem Grund werde ich mich gemeinsam mit dem Stadtrat für eine rasche Erleichterung einsetzen.“.red./mk

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