Kerosinablass

Anita Schäfer plant Informationsveranstaltung

PFALZ Die westpfälzische CDU-Bundestagsabgeordnete Anita Schäfer hat vor Panik-mache wegen der kürzlichen Fälle von Notfall-Treibstoffablass durch Verkehrsflugzeuge über der Region gewarnt. „Die zunehmende Verunsicherung der Bevölkerung, die mancher behauptet, entsteht erst durch falsche Informationen und das Spiel mit Ängsten durch interessierte Parteien“, so die Politikerin.

Die Folgen solcher Notablässe, bei denen vollgetankte Flugzeuge ihr Gewicht verringern um in einer Ausnahmesituation kurz nach dem Start sicher wieder landen zu können, seien international sehr gut untersucht, sagt Schäfer. Neben den immer wieder erwähnten Studien des TÜV Rheinland und des kanadischen National Research Council aus den 90er Jahren gebe es auch britische und amerikanische, die zum Teil bis in die 50er zurückgingen. „Auf der damaligen Erkenntnis, dass der Treibstoff aus Flughöhen von 1500 bis 1800 Metern generell vollständig verdampft, beruht die Vorgabe der internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO, dies oberhalb dieser Höhe, über einem von der Flugsicherung zugewiesenen möglichst dünn besiedelten Gebiet und nicht im geschlossenen Kreisflug vorzunehmen“, erläutert Schäfer

Die genauen Folgen seien dabei auch von Faktoren wie Fluggeschwindigkeit, Wind und Temperatur abhängig, mit denen sich die verschiedenen Studien befasst hätten. So habe eine britische Untersuchung von 1973 festgestellt, dass unter bestimmten Umständen theoretisch noch 0,1 Prozent des Treibstoffs den Boden als Aerosol erreichen könnten. Das brandenburgi-sche Verkehrsministerium sei 2004 unter anderen Umständen von bis zu acht Prozent ausgegangen. In jedem Fall läge die Konzentration von Gefahrstoffen unter den gesetzlichen Grenzwerten. „Kerosin ist ohnehin nicht gefährlicher als das Benzin in jedem Auto“, so die Abgeordnete. „Zum Beispiel enthält es schon bei der Herstellung nur einen Bruchteil des Benzolanteils von einem Prozent, der in der EU seit 2000 für Autokraftstoff zulässig ist.“

Zudem beruhten alle Modellrechnungen auf theoretischen Annahmen. „In der Praxis ist nach Treibstoffablässen nie eine Bodenkontamination festgestellt worden, wie das Schweizer Bundesluftfahrtamt erst letztes Jahr wieder erklärt hat“, stellt Schäfer klar. „Selbstverständlich spricht nichts dagegen, mögliche Auswirkungen auf Mensch und Natur weiter zu untersuchen. Allerdings sollte man nicht so tun, als hätte sich die Physik in den letzten Jahrzehnten komplett geändert. Klar ist auch, tritt eine Notsituation ein, muss eine sichere Landung gewährleistet sein. Fluggesellschaften werden aber schon deshalb nicht leichtfertig Treibstoff ablassen, weil das der größte Kostenfaktor in der Luftfahrt ist“, sagt Schäfer.

Um die Bevölkerung besser zu informieren plant Schäfer eine Veranstaltung mit Fachleuten zu diesem Thema. red./dos

Eigenen Artikel verfassen Schreiben Sie Ihren eigenen Artikel und veröffentlichen Sie ihn auf wochenspiegelonline.de