Infotag in den SHG-Kliniken

Französische Pflegestudenten erkunden Arbeitsbedingungen in Völklingen

VÖLKLINGEN „Es war sehr interessant, wir konnten viel erfahren“, berichten Lea Wagner (22) und Morgane Arnold (20) nach dem „Entdeckungstag“ in den SHG-Kliniken Völklingen.

Die jungen Frauen gehören zu den 17 französischen Pflegestudenten, die im Januar einen ganzen Tag lang im Völklinger Krankenhaus zu Gast waren. Sie lernen am „Institut de Formation en Soins Infirmiers“ (IFSI), der Krankenpflegeschule des Saargemünder Krankenhauses. Seit 2008 laden die SHG-Kliniken Völklingen einmal im Jahr IFSI-Studenten zu einem Informationstag ein.

Das Programm war kompakt. Pflegedirektorin Monika Klein und Pflegedienstleiterin Sabine Bickelmann stellten das Haus, die Organisation des Pflegedienstes und die Weiterbildungsmöglichkeiten vor. Ärzte hielten Fachvorträge über die Kardiologie, die Herz-Thorax-Chirurgie und die urologische Funktionsabteilung. Bei einem Rundgang konnten die Gäste auch hinter die Kulissen schauen.

Monika Klein lobt die Kooperation mit den französischen Partnern. „Die Chemie stimmt, das Projekt wird gelebt“, versichert sie. Der Entdeckungstag ist nur ein Baustein der Zusammenarbeit. Jährlich machen 15 bis 18 französische Studenten auch einen Teil ihrer praktischen Ausbildung in Völklingen, erklärt IFSI-Direktorin Nathalie Bouring.

Die Chemie stimmt

Im Schnitt bleiben sie fünf Wochen. Umgekehrt hospitieren Auszubildende des Völklinger Krankenhauses in Saargemünd. Eine einmalige Gelegenheit an der deutsch-französischen Grenze. Können die jungen Franzosen sich vorstellen, nach ihrer Ausbildung im Nachbarland zu arbeiten? „Warum nicht?“, sagt Lea Wagner.

oraussetzung ist, dass man möglichst gut Deutsch spricht. Und das ist mitunter ein Hindernis. Am Abbau der Sprachbarrieren wird jedoch gearbeitet: Die französischen Pflegestudenten können sich berufsspezifische Deutschkenntnisse aneignen. Und an der Völklinger Krankenpflegeschule gibt es einen Französischkurs.

In Frankreich ist die Ausbildung zentral geregelt, die Studenten erhalten keine Ausbildungsvergütung. Im Arbeitsalltag gibt es ebenfalls Unterschiede. In Frankreich dürfen Pflegekräfte eine Bluttransfusion anhängen, in Deutschland darf das bislang nur der Arzt. Die Arbeitsbedingungen in Völklingen seien sehr gut und teilweise sogar besser als in manchen Krankenhäusern in Frankreich, sagt Nathalie Bouring.

In Völklingen wird Wert auf die Einarbeitung der neuen Mitarbeiter in der Pflege gelegt, erläutert Monika Klein. Außerdem gibt es pflegeentlastende Dienste: von der Pflegesekretärin über Stationshilfen für Reinigungsarbeiten bis zum Bettenaufbereitungsdienst.

Ein Job in Völklingen kann für die französischen Nachbarn auch attraktiv sein, weil sie die Region nicht verlassen müssen: Man wohnt weiter in Lothringen und fährt zur Arbeit ins Saarland.

Gut ausgebildete Pflegekräfte aus dem Nachbarland sind an den SHG-Kliniken Völklingen als Beschäftigte willkommen. Fünf IFSI-Absolventen arbeiten bereits in Völklingen. „Sie sind sehr gut ins Haus integriert“, betont Monika Klein. Französische Patienten, die in der Klinik ebenfalls behandelt werden, freuen sich, wenn sie mit Pflegern in ihrer Muttersprache sprechen können.

Organisiert hatte den Entdeckungstag Saskia Rybarczyk. Sie ist die Beauftragte für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit beider Häuser. Ihre Stelle wird zum Teil durch die Europäische Union kofinanziert, denn die „Grenzüberschreitende Krankenhauspartnerschaft im Bereich der Aus- und Fortbildung in der Pflege“ ist heute ein Projekt im Rahmen des Interreg-Programms Großregion. Dank der finanziellen Unterstützung konnten für den Informationstag zwei Dolmetscherinnen engagiert werden. Am 28. Februar wird im Kongresszentrum der SHG-Kliniken Völklingen zehnjährige Partnerschaft gefeiert. red./am

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