Geselligkeit beim Brettspiel

Spieleabende im Caritas SeniorenZentrum Hanns-Joachim-Haus in Kleinblittersdorf

KLEINBLITTERSDORF Die Schälchen mit Chips und Salzbrezeln stehen bereit, dampfender Apfelpunsch wird verteilt und so langsam füllen sich die Tische. Draußen ist es schon dunkel geworden, das Abendessen längst vorbei, als sich nach und nach die Bewohner des SeniorenZentrums Hanns-Joachim-Haus im Erdgeschoss zum Spieleabend einfinden. Kurz wird überlegt, wer heute eher Lust auf Rummicub oder Mensch ärgere Dich nicht hat, und dann geht’s los.

Kleine Besonderheiten

Seit September bietet das SeniorenZentrum im zweiwöchigen Rhythmus einen Spieleabend an. Und der Zuspruch steigt stetig. „Die Idee ist aus einem Bewohnerwunsch heraus entstanden“, erzählt Pflegedienstleiterin Renate Nonninger. „Man bleibt nach dem Essen noch etwas sitzen, kommt ins Gespräch und es wird nicht so schnell ruhig im Haus, wie wenn sich alle Bewohner auf ihre Zimmer zurückziehen.“ Das Projekt ist ihr persönlich eine Herzensangelegenheit, da sie selbst gerne spielt. Und es gibt immer eine kleine Besonderheit wie Crémant, Hugo oder an diesem Abend – dem kälter werdenden Wetter angepasst – warmen Apfelpunsch. Bei Maria Hubig ist der Dienstagabend inzwischen gesetzt. Die 82-jährige Bewohnerin des Betreuten Wohnens bezeichnet sich selbst als „Spielernatur“: „Wir waren zu Hause fünf Kinder, da wurde schon immer viel gespielt.“ Auch privat trifft sie sich gern mit Bekannten und spielt Canasta. Mit am Tisch sitzen Ursula Niederländer, Gisela Kerber und Schwester Joyce. Gisela Kerber spielt heute zum ersten Mal ‚Rummicub‘. Aber sie hat schnell den Dreh raus, Zahlenreihen zu bilden und möglichst viele ihrer Plättchen loszuwerden. „Das ist ja fast wie Rommé“, ruft sie irgendwann begeistert. Auch die indische Ordensschwester Joyce, die erst seit vergangenem Dezember im Hanns-Joachim-Haus lebt, kennt die Regeln noch nicht so ganz genau. „Aber es ist eine gute Gelegenheit sich gegenseitig kennenzulernen und etwas Abwechslung in den Alltag zu bekommen“, findet sie.

Am Nebentisch hat sich eine Runde Mensch ärgere Dich nicht gebildet. Mit viel Spaß werden die gegnerischen Steine rausgeschmissen und zurück auf Anfang gesetzt. Zwar benötigen einige Mitspieler Unterstützung, aber das Würfeln fördert auch die koordinatorischen Fähigkeiten. Und dass man bei einer „6“ zurück ins Spiel kommt, das wissen alle noch ganz genau. „Eine Bewohnerin spricht den ganzen Tag kaum, aber die Zahlen auf dem Würfel liest sie dann laut vor“, freut sich Renate Nonninger.

Immer wieder läuft Renate Nonninger durch den Raum, schaut, ob alle genug zu trinken haben und füllt die Schälchen mit den Chips auf. Aber sie setzt sich auch gern an die Tische dazu, hilft ein bisschen oder spielt selbst mit. Heute kann sie zum Abschluss des Abends Maria Hubig, Ursula Niederländer und Schwester Joyce für eine Partie Kniffel begeistern. „Das kenne ich gar nicht“, sagt die 87-jährige Ursula Niederländer. „Na dann zeigen wir es Ihnen“, entgegnet Renate Nonninger und schon werden die Blöcke und Stifte verteilt. Auch für die Ordensschwester ist es das erste Mal. Aber als sie das Grundprinzip verstanden hat, ist der Ehrgeiz sofort geweckt. Als sich alle verabschieden, nimmt Schwester Joyce das Kniffel-Spiel mit – sie will bis zum nächsten Mal noch ein bisschen üben. Und Ursula Niederländer packt das Rummicub ein. „Das ist bei mir in guten Händen“, sagt sie schmunzelnd.

Nonninger wünscht sich, dass sich das Spielen irgendwann ein Selbstläufer wird. Und die Chancen stehen nicht schlecht. „Wenn es jetzt immer früher dunkel und die Abende länger werden, kann man ja vielleicht auch öfter mal zusammen spielen“, sagt Maria Hubig. In Ursula Niederländer und Schwester Joyce hat sie auf jeden Fall dankbare Mitspielerinnen gefunden. red./sh

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