Fibonacci und Fraktale

Fraktale, Fibonacci und die Folgen - Marpinger Schüler präsentieren Kunst auf mathematischer Basis

ST. WENDEL Am Schulfach Mathematik scheiden sich die Geister: Vektoren, Wahrscheinlichkeitsrechnungen, Kurvendiskussionen stellten und stellen für viele angehende Abiturienten früher und auch heute noch eher Schreckensvisionen eines bevorstehenden Weltuntergangs dar als attraktive, interessante Herausforderungen des logischen Denkens.

Doch gerade Letzteres ist für viele Mathefreaks die große Faszination der Mathematik. Und dass auch für junge Erwachsene vor dem Abitur diese Haltung gegenüber dem oft so gefürchteten Fach möglich ist, beweist seit letzter Woche eine Ausstellung im Oberstufenbereich der Gemeinschaftsschule Marpingen. Die 18 Schülerinnen und Schüler des Seminarfaches „Mathematik trifft Kunst“, geleitet von der Mathematiklehrerin, Hobbykünstlerin und Musikerin Susanne Müller-Huwig, stellen dort noch bis zum Januar eindrucksvoll die Ergebnisse ihrer eigenständigen Recherche und Gestaltung vor.

In akribischer Kleinstarbeit wurden Werke bekannter bildender Künstler und Musiker analysiert, ausgemessen und dann nach mathematischen Regeln neu gestaltet. So entstanden Parkettierungen, teilweise mit 3D-Effekt, orientiert an Vorlagen und Vorgaben des ungarisch-französischen Künstlers Victor Vasarely, des Niederländers C.M. Escher und der Kunstrichtung des Kubismus (Arbeiten von Louisa Schmidt und Alisa Ebersold). Grundlage der Ausarbeitung waren Stilübungen zur so genannten Fibonacci-Folge - die Summe zweier aufeinander folgender Zahlen ergibt die direkt darauf folgende Zahl, beginnend mit der Zahlenfolge 1, 1 - und geometrische Kunstexperimente nach Pythagoras. Die dadurch entstehenden Formen ergeben ganz eigene Strukturen, die sich darüber hinaus farblich akzentuieren lassen.

Mit einer Verpixelung von Van Goghs „Sternennacht“ (Franziska Kusewetter) fanden auch moderne Computeralgorithmen ihren Niederschlag im Sichtbaren. Auch Franz Marcs Bild “Der Tiger“ diente als Vorlage (Arbeiten von Selina Wolter und Janina Lerner). Mathekennern wird der Begriff der „Schnecke des Theodorus“ oder der “Wurzelschnecke“ ein Begriff sein. Diese geometrische Schneckenform aus rechtwinkligen Dreiecken mit gleicher Seitenlänge stellte die Grundlage einer weiteren kreativen Gestaltung dar (Arbeit von Johanna Wüschner). Hinter der Bildenden Kunst steht in den Arbeiten die Musik nicht zurück. Kunstgenuss pur bieten die ambitionierten Arbeiten musikalisch talentierter Schülerinnen und Schüler. So bildeten zwei Menuette von Bach die Grundlage einer Eigenkomposition von Annabelle Neis, die Bachs Taktsetzung in einer nach mathematischen Regeln erstellten Exel-Tabelle mit Hilfe eines Würfels neu ordnete und so einen ganz eigenen Musikgenuss ermöglicht. Neben diesen praktischen Arbeiten sind auch theoretische Ausarbeiten zum „Goldenen Schnitt“ (Lolita Lehmann) und zu „Fraktalen“ (Fabian Fries) einsehbar. Während der Begriff des Goldenen Schnittes, der ein proportionales Größenverhältnis zwischen zwei Teilen beschreibt, noch weitgehend bekannt ist, stellt die Arbeit zu den Fraktalen nicht nur Schülerinnen und Schüler vor eine große mathematische wie künstlerische Herausforderung: Fraktale sind mathematisch erfass- und berechenbare Formen, die vor allem in der Digitalkunst zunehmend Verwendung finden. Sie stellen somit die Erweiterung des klassischen Kunstkanons in der modernen Computerwelt dar.

Mit ihren Arbeiten zu mathematischen Aspekten der abbildenden und digitalen Kunst wie auch der Musik haben die angehenden Abiturienten gezeigt, dass Mathematik kein Schrecken sein muss. Ihre Begeisterung für die abstrakteste der Wissenschaften kann und wird sicher andere motivieren, sich mit dieser komplizierten, zugleich ab faszinierenden und die Logik schulenden Wissenschaft auseinanderzusetzen.

 

Unser Leserreporter Markus Mörsdorf aus Marpingen

 

 

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