Erinnerung an Angela Braun

AWO benennt Ludweiler Seniorenzentrum nach Mitbegründerin und Frauenrechtlerin

LUDWEILER 50 Jahre nach ihrem Tod hat Angela Braun, Mitbegründerin und später langjährige Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt an der Saar, erneut eine besondere Ehrung erfahren.

Nachdem in Ludweiler bereits die Jugendbildungsstätte der AWO ihren Namen trägt wurde nun auch das Seniorenzentrum nach ihr benannt. Anlass der feierlichen Würdigung war der Abschluss umfangreicher Renovierungsarbeiten an dem Haus, das innen an vielen Stellen in neuem Glanz erstrahlt. Rund sechs Millionen Euro hat die AWO in die Renovierung und Modernisierung investiert.

Das Haus sei wieder „so gudd wie nei“, freute sich AWO-Landesvorsitzender Marcel Dubois bei der Begrüßung der zahlreichen Gäste im extra aufgebauten Festzelt.

In den letzten zwei Jahren wurde das Haus komplett modernisiert, von den erneuerten Aufenthaltsbereichen über die Bewohnerzimmer bis zu neuen Gemeinschaftsküchen auf den Wohnbereichen.

Mit der Investition sichere die AWO nicht nur kompetente und ganzheitliche Pflege nach aktuellsten wissenschaftlichen Erkenntnissen für die 140 Bewohner, sondern auch die Arbeitsplätze von 150 Beschäftigten.

Die AWO sei mit ein Garant dafür, dass „die Welt in Ludweiler noch in Ordnung ist“, freute sich auch Ortsvorsteherin Christiane Blatt. Die Ortsgemeinschaft sei glücklich, dass man mit dem Seniorenzentrum die Gelegenheit habe, „Angehörige und andere liebe Menschen hier bei sich in der Nähe zu haben“.

Wie Pflegedienstleiterin Sabrina Miksa bedankte sich Blatt für Verständnis und Geduld der Bewohner während der Renovierungsarbeiten.

Angela Braun war nicht nur Mitbegründerin und Vorsitzende der AWO, sie hat sich auch als Frauenrechtlerin, NS-Widerständlerin und sozialdemokratische Politikerin einen Namen gemacht hatte. „Wir als AWO tragen unsere Geschichte im Herzen“, begründete Marcel Dubois die neue Namensgebung für das Seniorenzentrum in Ludweiler. „Ab heute erinnert das AWO Angela Braun Seniorenzentrum an das Leben und Wirken dieser mutigen Frau“.

Neben der neuen Stele draußen soll bald auch drinnen eine künstlerische Installation auf das Lebenswerk Brauns hinweisen.

Die AWO ruft bildende Künstler auf, sich an einem Gestaltungswettbewerb zu beteiligen. Dem Gewinner winkt ein Preisgeld von 5000 Euro.

Zur Person:

Am 13. Februar 1924 gründete Angela Braun die Arbeiterwohlfahrt an der Saar. Die Lehrerin und spätere Journalistin aus Neuss war im November 1923 mit ihrem Mann Max nach Saarbrücken gezogen. Als eine der ersten Frauenrechtlerinnen an der Saar engagierte sie sich nicht nur politisch, sie brachte sich als Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt von 1925 bis 1935 auch für die Einrichtung von Nähstuben, Volksküchen und Ferienmaßnahmen ein. Unter ihrer Leitung verdreifachte sich die Anzahl der AWO-Ortsvereine. Die AWO entwickelte sich zu einem sicheren und solidarischen Fundament für Hilfen vor Ort für notleidende Menschen im Saargebiet.

Angela und Max Braun waren politisch engagiert. Sie kämpften für die Gleichheit und Freiheit der Menschen. Für die gelebte Solidarität vor Ort riskierten Sie ihr Leben. Beide kämpften gegen eine Angliederung des Saargebietes in der sogenannten „Saarabstimmung“ von 1935 an Hitler-Deutschland. Sie flüchteten anschließend nach Paris und organisierten von dort aus die Arbeitsgenehmigungen von Exil-Saarländerinnen und Saarländern. Nach dem Westfeldzug Hitlers flüchteten beide von Paris nach London.

Nachdem Max Braun im Exil in London unerwartet starb, kehrte Angela Braun 1945 an die Saar zurück. Nach ihrer journalistischen Tätigkeit bei der Saarbrücker Zeitung engagierte sie sich politisch im Kommunalwahlkampf und wurde 1946 die erste Frau im Landtag des Saarlandes. Von 1946 bis 1953 leitete als Vorsitzende erneut die Geschicke der Arbeiterwohlfahrt Saar und wurde 1953 für Ihre Verdienste zur Ehrenvorsitzenden ernannt. Nach dem ablehnenden Ergebnis der Volksabstimmung über das Saarstatut 1955 verließ Angela Braun das Saarland. Sie starb 1967 in Frankreich. red./am

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