Epilog der Sommermusik

Rückschau auf die Saison 2017 mit ausgesuchten Konzer

SAARBRÜCKEN Auftakt des Epilogs zur Sommermusik ist am Donnerstag, 16. November, um 20 Uhr unter dem Titel „male Seelen“ im Domicil Leidinger. Eines der ersten Opfer des deutschen Rassenwahns und seiner kulturellen Ignoranz, war Franz Schreker (1878–1934). Er galt noch in den 1920er Jahren als bedeutendster Opernkomponist in Deutschland nach Wagner. Seine spätromantische musikalische Sprache weist bereits expressionistische Elemente auf, charakteristisch die ständige harmonische Fluktuation mit irisierenden Akkorden. Inhaltlich kreisen seine opernum die Erweiterung des Horizonts gewohnter Erfahrungen.

„Am liebsten male ich Seelen“, singt die lebensferne Carlotta in „Die Gezeichneten“ vor ihrer Staffelei, bevor sie als Sexualopfer einer pervers-dekadenten Jugendelite den Tod findet. Der jungen, bereits mehrfach am SST engagierten Sopranistin Lisa Stroeckens und dem Tenor Ralf Peter (auch Konzeption) öffnen sich eigentümliche szenische Räume – äußere und innere.

Weiter geht es am Samstag, 18. November, 19.30 Uhr, im Kleinen Theater im Rathaus mit Arktische Blumen, ein Theaterstück mit Puppenspiel, Video und Klang. Von und mit Élodie Brochier & Artzammler Kollektivum (Jean Birkel, Benoit Karmann, Geoffroy Muller)

Alt, krank und zerknirscht vor Schuldgefühl spürt Sir Tristan White, dass der Tod naht. An der Spitze einer mächtigen AG beschließt Sir White, seine gesamten Aktieninhaber, die Generaldirektoren seiner Tochterfirmen und seine Handelspartner zusammenzuführen, um Enthüllungen über sich zu offenbaren. Sir White, der selbst nicht mehr sprechen kann, benutzt die Dienste seiner Rechtsanwältin, Miss Sow – die wahrscheinlich eine Gestalt Isoldes ist – um seine Vergangenheit, seine auf Abwege gebrachten Aspirationen und seine Unruhen in Form von einfachen Geschichten oder halluzinierenden Träumen zu inszenieren.

Wieder im Domicil Leidinger heißt es am Mittwoch, 29. November, 20 Uhr, „Notturno – Richard Strauss revisted“ mit Oliver Strauch, Schlagwerk, Michel Christensen, Piano, Computer und Gabriele Basilico, Kontrabass.

Die Musiker von Notturno die in Klassik und Jazz zuhause sind, wagen eine zeitgemäße Auseinandersetzung mit Textur und Klang und der überbordenden Harmonik Richard Strauss‘. Seine Formsprache mit neuen Klängen zu „konfrontieren“ bedeutet für Trio und Publikum die größte Herausforderung.

„O wirre Welt!“ – Im Konzert am Donnerstag, 30. November, um 20 Uhr in der Johanneskirche widmet das Ensemble la rosa dei venti dem zu Unrecht vergessenen deutschen Komponisten Heinrich Kaminski (1886-1946).

Ausgangspunkt des Programms ist seine 1934 (unter dem Eindruck des sog. „Röhm-Putschs“) geschriebene, Fragment gebliebene Messe deutsch für fünfstimmigen a-cappella-Chor, die durch Musik anderer Komponisten sowohl zu einer vollständigen Messe komplettiert als auch gleichzeitig kontrastiert und kommentiert wird: Es erklingen Kompositionen von Johann Sebastian Bach, Max Reger, Dieter Schnebel, Friedhelm Döhl und anderen sowie als Uraufführung ein Auftragsstück von Daniel Osorio, 2013 Förderstipendiat Musik der Landeshauptstadt Saarbrücken. red./sh

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