Eine uralte Handwerkskunst

Pfarrei St. Margaretha Besch: Nachlese zum Pfarrfest mit Guss der Josefsglocke

PERL „Von der Stirne heiß, rinnen muss der Schweiß“: Mit einem mächtigen Glockenschlag, den Pfarrer Uwe Janssen als Erster ausführen durfte, endete am Sonntagnachmittag die spannende und wahrhaft schweißtreibende Entstehungsgeschichte der neuen Josefsglocke in Besch. Dass der Guss hervorragend gelungen ist, ist spätestens dann den vielen Besuchern am Moselufer klar geworden.

Das Gießen zieht sich über Tage hin

Der Glockenguss ist eine uralte Handwerkskunst, die sich über viele Tage hinzieht. In Besch konnte man am Samstag und Sonntag sehen, wie in der von den Glockengießern in der Werkstatt vorbereiteten dreiteiligen Gießform aus Lehm eine neue Glocke entsteht.

Am Samstag wurde die Form zunächst für die Besucher auseinander gebaut, die innere „falsche“ Glocke, die die Form der späteren Glocke hat, entfernt und die Innen- und Außenseite der jetzt noch aus zwei Teile bestehenden Gussform nochmals fein bearbeitet und mit Graphit als Trennmittel behandelt.

Nach dem Zusammensetzen der beiden Teile wurde die Form in der vorbereiteten Grube versenkt und sorgfältig mit Erde aufgefüllt. Gleichzeitig bullerte schon der vor Ort aus Schamottsteinen am Vortag aufgebaute Ofen, in dem Barren um Barren der Glockenbronze geschmolzen wurden. Ein wahrhaft archaisches Schauspiel, bei dem man ab und zu einen Blick in den Kessel mit der rot glühenden Gussmasse werfen konnte. Endlich war es dann am Samstagnachmittag soweit, dass die Gießmeister Hermann und Christoph Schmitt die geschmolzene Glockenbronze über eine Gießrinne in die Gussform leiten konnten. Der Guss wurde von Diakon Benno Wolpertinger und Pfarrer Uwe Janssen durch Segenssprüche begleitet und durch den Gießmeister mit einem „Gott sei Dank“ würdig abgeschlossen.

Dann hieß es erst einmal bis Sonntagnachmittag warten. Die Musikfreunde Perl-Besch, der Kirchenchor Besch, der Chor „Cantate“ und die Bewirtung bei bestem Wetter verkürzten die Wartezeit aufs Angenehmste.

Nach dem Festgottesdienst, bei dem die Bescher Kirche erfreulicherweise bis auf den letzten Platz gefüllt war, ging’s mit dem letzten und entscheidenden Teil der Glockenentstehung weiter. Vorsichtig wurde die Form wieder ausgegraben und aus der Gießgrube gehoben und sodann der äußere Mantel entfernt.

Und siehe da: Sichtbar wurde eine wunderbar gelungene 192 Kilogramm schwere Glocke, die beim ersten Anschlagen ihren Klang weit übers Moseltal trug. Das war eine wahrhaft eindrucksvolle Demonstration eines Handwerks, das seit Jahrhunderten in ähnlicher Form ausgeführt wird, und das viele Besucher, vor allem auch die vielen Kinder, begeistert hat.

Die Glocken sind also echte Unikate

Übrigens wird jede Glockenform nur einmal benutzt, Glocken sind also echte Unikate. Die neue Glocke wird jetzt erst einmal in der Werkstatt gesäubert und poliert, so dass sie sich in voller Pracht am ersten Adventssonntag zur Glockenweihe in der Bescher Kirche präsentieren kann.

Wie sagte einer der Besucher am Sonntag: „Die Bescher müssen ja einen richtig guten Draht „nach oben“ haben, wenn man so ein tolles Wetter Ende September für’s Pfarrfest hat!“

Um auch mit Schiller, dem „Co-Autor“ von Pfarrer Janssen bei dessen Ansprache, zu schließen: „Doch der Segen kommt von oben“.red./ti

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