Die Hilfe vor Ort organisiert

„Willkommenspreis des Saarlandes“ für die Flüchtlingshilfe des VdK-Ortsverbandes Besch

BESCH/SAARBRÜCKEN Bereits seit 2014 kümmert sich der VdK Besch um Flüchtlinge – dafür ist der Ortsverband des größten saarländischen Sozialverbandes jetzt mit dem „Willkommenspreis des Saarlandes“ ausgezeichnet worden. Günter Leuck, Vorsitzender des VdK Besch, nahm den Preis in der Staatskanzlei zusammen mit vier ehrenamtlichen Helfern von Monika Bachmann, Sozialministerin und Integrationsbeauftragte, entgegen. Der VdK Besch habe vom ersten Tag der Ankunft an Kontakt mit den Geflüchteten gesucht, sie regelmäßig besucht, bei Behördengängen begleitet, ihnen Hilfe, Orientierung und Beratung und somit eine Rundumbetreuung geboten, sagte Monika Bachmann. Die Arbeit des Sozialverbandes, dessen Leitlinie die soziale Gerechtigkeit sei, ziele darauf ab, die Bevölkerung mitzunehmen und Neiddebatten zu verhindern, unterstrich Bachmann.

Großes Engagement und Hilfsbereitschaft

Der VdK-Landesvorsitzende Armin Lang lobte das große Engagement und die Hilfsbereitschaft der ehrenamtlichen Helfer um den VdK Besch. „Günter Leuck und seine Helfer haben Großartiges geleistet. Dank ihres Einsatzes konnte zahlreichen Familien und traumatisierten jungen Flüchtlingen schnell geholfen werden. Ohne diese Hilfe hätte die Integration der Geflüchteten in Perl nicht so reibungslos funktioniert.“

Erster Preis für Blau-Weiß Gonnesweiler

Der „Willkommenspreis“, der 2012 ins Leben gerufen wurde, ist mit 4800 Euro dotiert. Er würdigt Initiativen, die sich für die Integration von Flüchtlingen einsetzen und die die Willkommenskultur und das Miteinander zwischen Einheimischen und Migranten fördern. 26 Vereine hatten sich beworben, sechs davon wurden von einer siebenköpfigen Jury ausgezeichnet.

Der erste Preis, der an den Fußballverein Blau-Weiß Gonnesweiler ging, ist mit 1000 Euro dotiert. Die vier Zweitplatzierten, darunter der VdK Besch, erhalten 750 Euro, zudem wurde ein Sonderpreis verliehen.

Rund 45 ehrenamtliche Helfer unterstützen den Vorsitzenden Günter Leuck bei der Betreuung von derzeit 89 Flüchtlingen in der Gemeinde Perl.

Neben Behördengängen und Hilfe im Alltag betreibt die „Wohlfahrtspflege Flüchtlingshilfe“ eine Außenstelle der „Merziger Tafel“, die regelmäßig Lebensmittel nach Perl liefert, und eine Kleiderkammer. Beide Angebote richten sich nicht nur an Geflüchtete, sondern auch an Saarländer in Not. Das Engagement aus dem Perler Ortsteil Besch geht dabei weit über Besch und auch Perl hinaus – zeitweise wurden auch Flüchtlinge in Mettlach oder Orscholz betreut.

Leuck startete seine Flüchtlingshilfe im Dezember 2014 – noch weit vor der großen Flüchtlingswelle im Sommer 2015. Davor war er einige Monate als „Einzelkämpfer“ im Saarland unterwegs gewesen. Im Oktober hatte der 57-Jährige Kleider nach Besseringen gebracht, wo geflüchtete Jugendliche im ehemaligen VdK-Haus Sonnenwald untergebracht worden waren. „Die Jungs hatten gar nichts. Darum habe ich angefangen, für sie zu sammeln“, sagt Leuck.

Zu Kleiderspenden aufgerufen

Über die Medien rief er zu Kleiderspenden auf. Kleidung für Mädchen oder Erwachsene und Haushaltswaren brachte er direkt in die Landesaufnahmestelle in Lebach.

„Als im Sommer immer mehr Flüchtlinge kamen, waren wir bereits gut eingearbeitet“, erinnert sich Leuck.

Bis zu 60 Ehrenamtliche unterstützen Leuck zeitweise beim Empfang von Flüchtlingen aus Syrien oder Eritrea sowohl in Perl als auch in Mettlach – die Bürokratie ist dabei die größte Hürde.

Seit April unterstützt die Grundschullehrerin Pia Hahn die Flüchtlingshilfe mit Deutsch-Kursen.

Eine Familie, die Leuck schon seit Jahren begleitet, sind die Ghazis.

Sie kamen im Sommer 2014 von Damaskus ins Saarland. Rund fünf Wochen dauerte ihre Flucht, die die damals vierköpfige Familie über Tunesien, Libyen und das Mittelmeer und Italien nach Deutschland führte.

Bericht über die Flucht der Ghazis

Eine Bombe hatte das Hochhaus, in dem sie gewohnt hatten, komplett zerstört, durch die Detonation wurde eines der Kinder auf die Straße geschleudert. Die beiden Jungs waren damals vier und acht Jahre alt. Von der Flucht erzählen sie nicht viel, doch das Wenige genügt. Die Angst vor den vielen bewaffneten Männern, vor allem in Libyen und Tunesien.

Dass die Polizei auf sie geschossen hat. Wie sie auf einem Fischkutter mit über 250 Menschen an Bord das Mittelmeer überquert und ein anderes Flüchtlingsboot untergehen haben sehen.

Die inzwischen fünfköpfige Familie hat sich gut in Perl eingelebt. Die Kinder sprechen schon gut Deutsch, besuchen die Schule, gehen in den Karatekurs und zum Fußball. Der Vater arbeitet als Kfz-Mechaniker und ist dankbar. „Perl ist schön. Günter Leuck war immer für uns da und hat uns sehr geholfen.“red./ti

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