Der Lotse geht von Bord

Dr. Horst Arend gibt das Steuer der „Brigg“ an Thomas Heib weiter

NEUNKIRCHEN Die Anzahl der Redner und Laudatoren und die Länge ihrer Reden waren symbolisch für den Einsatz und das Wirken von Dr. Horst Arend, der nach fast 38 Jahren Dienstzeit als Leiter des Fachdienstes Psychosoziale Beratungs- und Behandlungsstelle des Caritaserbandes „Die BRIGG“ in den Ruhestand verabschiedet wurde.

120 Wegbegleiter verschiedener caritativer Institutionen sowie Politiker waren in die Stummsche Reithalle nach Neunkirchen gekommen um Danke zu sagen, Danke für sein Lebenswerk, sein Engagement, Danke für seinen Rat und seine Hilfe. Für unzählige Menschen war er mit seinem Team ein Rettungsanker in stürmischer See.

Doch nach seinem Weggang am 31.12.2016 treibt das Schiff nicht führerlos im Meer, das Steuer auf der „BRIGG“ hat zum 1. Januar Thomas Heib übernommen.

Dr. Host Arend, am 5. Juli 1951 in Elversberg geboren, studierte an der Universität des Saarlandes Psychologie, Soziologie und Philosophie, legte 1978 sein Diplom ab und promovierte 1993 zum Doktor der Philosophie. Zum 1. April 1979 kam er zur „BRIGG“, wo er als Dipl.-Psychologe und Fachdienstleiter bis zu seiner Verabschiedung tätig war.

Meister neuer Konzepte

In einer ausführlichen Darstellung gab Rudolf Barth vom Caritas-Verband der Diözese Trier einen Rückblick auf Dr. Arends Wirken. Er bescheinigte ihm, dass er ein Meister im Erstellen von Konzepten sei und zahlreiche Projekte umgesetzt habe, die wegweisend in der Suchtprävention waren. Gerade die Prävention sei eine Herzensangelegenheit von ihm und so wurde auch zum Beispiel 1996 eine Präventionswerkstatt eröffnet, die einmalig im südwestdeutschen Raum ist. Er habe immer einen hohen fachlichen Anspruch an sich selbst gestellt und sich bemüht, mit den verschiedenen Suchtgefahren immer auf der Höhe der Zeit zu sein.

Unter anderem habe er das Projekt „Wiesel“ etabliert, ein Angebot für Kinder von Suchtkranken. Außerdem haben viele Kollegen ein profundes Fundament für ihre Arbeit erhalten. „Die „BRIGG“ ist heute eine Marke mit Wiedererkennungswert“, lobte er Dr. Arend. „Sie haben mit Ihrer Arbeit bundesweite Anerkennung erhalten.“

Auch Michael Schütz, Direktor des Caritasverbandes Schaumberg-Blies, zollte Arend höchste Anerkennung. Während seiner Dienstzeit wuchs die Caritas von 50 auf 500 Mitarbeiter. 1993 wurden unter seiner Mitwirkung Fachdienstleitungen eingeführt, Teams entwickelt und auch von ihm geleitet. „Sie wurden zur Autorität ohne autoritär zu sein. Sie waren für mich ein geschätzter Ratgeber.“

Und Dr. Thomas Lamberty vom Sozialministerium bescheinigte ihm, dass er ein steter Begleiter des Ministeriums und eine wichtige Stimme war. Bis zu seinem Ausscheiden hat er dem Suchthilfebeirat der Landesregierung angehört. Auf die gute Zusammenarbeit zwischen Caritas, Stadt und Landkreis wiesen Bürgermeister Jörg Aumann und Landrat Sören Meng hin, der ihm „große Leidenschaft für Menschen“ zusprach.

Als ganz besondere Anerkennung und Würdigung seiner Verdienste wurde Dr. Arend von Bernd Walter, Vorsitzender des Vorstands, und Michael Schütz die Caritas-Ehrennadel in Gold überreicht.

„Schön und befriedigend“

Von soviel Lob war Dr. Arend sichtlich gerührt. Er blicke mit großer Zufriedenheit auf sein berufliches Leben zurück und ergänzte: „Es war schön und befriedigend für mich zu erleben, wie Patienten aus der Sucht herauswachsen und in einer Gesellschaft leben konnten, die stark suchtmittelorientiert ist. Diese Menschen haben mir immer wieder Kraft gegeben, mit neuen Suchtkranken und Suchterkrankungen zu arbeiten.“

Er dankte seinem Arbeitgeber, der ihm den Freiraum gewährt habe, all seine Projekte zu realisieren. Seinem Nachfolger Thomas Heib, der seit 2013 bei der Caritas tätig ist, wünschte er Glück und Erfolg bei der Leitung des Beratungs- und Behandlungszentrums „Die BRIGG“.

Musikalisch gestaltet wurde die Feier vom Blockflötenquartett der Musikschule Ottweiler. wh

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