Blick über den Tellerrand

Ein Rechtsbewusstsein, verschiedene Verfahrensordnungen – Deutsches Recht in Theorie und Praxis

ZWEIBRÜCKEN Rund zwei Wochen waren sieben Hospitanten, Richter aus Italien, Polen, Rumänien und Spanien, in Zweibrücken zu Gast, um Deutsches Recht in Theorie und Praxis kennen zu lernen und sich mit ihren Kollegen auszutauschen.

„Es ist immer wieder sehr interessant für uns, uns über die Erfahrungen als Richter in unterschiedlichen Ländern der Europäischen Union auszutauschen und die verschiedenen Verfahrensordnungen in anderen Ländern kennen zu lernen“, erklärte der Vizepräsident des Zweibrücker Landgerichts, Uwe Fischer. Die rheinland-pfälzische Justiz hat im Rahmen des EJTN-Programms in den vergangenen Jahren bereits mehrere Gruppen ausländischer Hospitanten in englischer oder französischer Sprache betreut.

Bereits seit 2013 nimmt auch das Landgericht Zweibrücken jährlich eine entsprechende Gruppe auf und Zweibrücker Richter fahren zu einem Gegenbesuch in andere Länder der EU. Auf Grund seiner historischen Bedeutung ist Zweibrücken als die Wiege der Demokratie für die internationalen Gäste besonders interessant. „Natürlich haben wir neben einer ausführlichen Stadtführung dazu auch das Hambacher Schloss besucht sowie den Bundesgerichtshof in Karlsruhe und die Europäische Rechtsakademie in Trier“, skizzierte Uwe Fischer das umfangreiche Programm.

„Dieser Blick über den Tellerrand ist für uns alle höchst wertvoll“, waren sich Gastgeber wie Gäste einig. Sowohl die deutschen Richter als auch die Richter aus den europäischen Partnerländern erhalten dabei wertvolle Einblicke in die juristische Arbeit der beteiligten Länder, die sie außerhalb des Austauschprogramms nicht hätten erhalten können.

Jeweils ein deutscher Richter begleitet als Tutor einen der europäischen Kollegen. In zivil- und strafrechtlichen Vorträgen und Gesprächen lernten sie das deutsche Rechts- und Gerichtssystem in allen Einzelheiten kennen. Deshalb fand der Italiener Pierro Leanza den Besuch im Ministerium der Justiz in Mainz besonders interessant.

Außerdem nahmen die europäischen Richter unter Begleitung eines Dolmetschers an Gerichtsverhandlungen teil. „In Deutschland begründet der Richter seine Urteilsfindung direkt in einem Strafprozess öffentlich. In Rumänien erhalten lediglich die einzelnen Parteien eine schriftliche Begründung innerhalb eines Monats“, stellte Madelina Chiren als bedeutenden Unterschied fest. Was besonders die Damen freut: Spanien hat vor mehr als zehn Jahren eine eigene Rechtsabteilung für Gewalt gegen Frauen eingeführt. „Wir berufen uns alle auf EU-Recht. Auch, wenn die Verfahren in allen Ländern allein historisch bedingt sehr unterschiedlich sind, verfolgen wir alle einen ähnlichen Rechtskodex“, stellte die Gruppe fest.

Die Gäste waren nicht nur begeistert von der Zweibrücker Gastfreundschaft, sondern auch von den kulinarischen Genüssen der Region. „Die Pfalz hat interessante Weißweine. Das wusste ich gar nicht“, hatte Pierro Leanza erstaunt nach Italien gemeldet. Ein Grund, um als Tourist zurück zu kehren.cvw

Eigenen Artikel verfassen Schreiben Sie Ihren eigenen Artikel und veröffentlichen Sie ihn auf wochenspiegelonline.de