Besuch in der Landesaufnahmestelle

Lebacher Stadtrat informiert sich über Flüchtlingssituation und diskutiert mit Verantwortlichen

LEBACH Ein interessanter Nachmittag für die Mitglieder des Lebacher Stadtrates sowie die Ortsvorsteher der Stadt. Sie informierten sich vor Ort über die Gegebenheiten, Probleme und die Arbeit der Landesaufnahmestelle für Vertriebene und Flüchtlinge (LAS).

Zwar ist die Stadt Lebach und damit auch die Ortspolitik nicht unmittelbar zuständig für Betrieb und Ablauf in der der LAS, doch war es den Stadtverordneten wichtig, sich selbst ein Bild zu machen von der Situation vor Ort und mit den Verantwortlichen zu reden.

Dr. Christof Hoffmann, Direktor des saarländischen Landesverwaltungsamtes und damit auch oberster Chef der LAS, hat schon vor einigen Wochen dienstliches Quartier dort bezogen, um die Arbeit des saarländischen Innenministers in dessen Sinne fortzuführen. Er gab zunächst einen groben Überblick über die derzeitige Situation. Der größte Andrang, der sich noch vor Wochen der 4000er Grenze annäherte, sei mittlerweile abgebaut, nicht zuletzt durch die sehr viel zügigere Registrierung der Flüchtlinge. Derzeit sei man in der Lage, täglich bis zu 500 Flüchtlinge zu registrieren. Noch vor einigen Monaten lag die Kapazität bei 80. Dadurch sei der Stau schnell abgearbeitet worden, so dass derzeit zwischen 2200 und 2300 Flüchtlinge in Lebach auf ihre Weiterverteilung warteten.

Infrastrukturell gut aufgestellt

Die Zahl der täglich ankommenden Flüchtlinge, so Dr. Hoffmann weiter, variiere sehr stark, von einer Handvoll bis hin zu 300. Mittlerweile sei man infrastrukturell so aufgestellt, dass man auch solche Spitzen gut abfedern könne.

Kritische Fragen, die Ängste der Bürger widerspiegeln

Wie die derzeitige hygienische und gesundheitliche Situation denn sei, wurde er gefragt. Hierzu erläuterte er, dass sich alle registrierten Flüchtlinge einer Eingangsuntersuchung unterziehen müssten. Bislang seien dabei keine besonderen Auffälligkeiten zu verzeichnen gewesen. Medienberichte über Krätze oder gar Lungentuberkolose seien so nicht richtig, einzelne Fälle vernachlässigbar.

Was er über die Kriminalitätsrate in der LAS sagen könne, war eine andere Frage. Hierzu führte er aus, dass sich bislang außer einigen wenigen Rangeleien und kleineren internen Übergriffen keine größeren Dinge zugetragen hätten. Gerüchte über eine Vergewaltigung seien definitiv falsch. Beamte der Polizeiinspektion Lebach seien permanent vor Ort, was entsprechende Wirkung zeige.

In Bezug auf die Fertigstellung der geplanten Außenstelle in Dudweiler-Hirschbach mutmaßte er, dass schon kurz nach Jahresbeginn ein Teil der Flüchtlinge dorthin ausgelagert werden könne.

Im Anschluss an das Gespräch fand eine Führung durch die Landesaufnahmestelle statt.

Bürgermeister Klauspeter Brill dankte Dr. Hoffmann: „Vieles ist in den letzten Wochen und Monaten berichtet und geschrieben worden über die Landesaufnahmestelle für Vertriebene und Flüchtlinge in der Edith-Stein-Siedlung. Gerüchte über ansteckende Krankheiten und kriminelle Machenschaften von Flüchtlingen sind im Umlauf, an Stammtischen ebenso wie in den sozialen Netzwerken. Unsere Stadtratsmitglieder sind wichtige Multiplikatoren und Meinungsbildner in ihren Stadtteilen und teilweise darüber hinaus. Umso wichtiger ist es, dass sie sich nun selbst ein Bild vor Ort machen und sich ihre eigene Meinung bilden konnten – falls vorher noch nicht geschehen. Kritische Themen, Fragen, Gerüchte und Befürchtungen wurden offen angesprochen und von Dr. Christof Hoffmann äußerst fachkundig und ebenso offen beantwortet.“red./mk

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