Begegnung mit dem polnischen Kino

Filmreihe vom 8. Oktober bis 13. Dezember im Kino achteinhalb

SAARBRÜCKEN Die polnische Kultur ist in Deutschland wenig bekannt. Das Kino achteinhalb schließt sich den Bemühungen der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Saar an, um der polnischen Kultur an der Saar eine Präsenz zu verschaffen, indem es seit vier Jahren neue polnische, gesellschaftlich relevante Filmproduktionen, begleitet von namhaften Regisseuren und Schauspielern an die Saar holt. Dieses Jahr haben die Veranstalter sieben preisgekrönte Filme ausgewählt, die in den letzten Jahren entstanden sind. Filme, die in Polen für Diskussionen sorgten, weil sie Themen wie Verhältnis von Künstler und Machthaber, Opportunismus, Homosexualität, Verflechtungen von Polizeiarbeit, Interessen der regionalen Macht- und Geldelite und der katholischen Kirche, sowie im Nationalismus wurzelnde Pogrome thematisieren.

Die Reihe wird am 8. Oktober mit dem Film Pokot (Spur-Jagdstrecken) von Agnieszka Holland eröffnet. Der Film spielt in den Bergen Niederschlesiens, deren wilde Schönheit jedoch nicht über Korruption, Grausamkeit und Dummheit ihrer Bewohner hinwegtäuscht. Fest verwurzelt in der Realität der polnischen Provinz, ist der Film so anarchistisch wie seine Heldin, eine exzentrische, alte Brückenbauingenieurin, Astrologin und Tierschutzaktivistin. Die Darstellerinn Patrycja Volny stellt den Film persönlich im Kino achteinhalb vor.

Genau zum ersten Jahrestag des Todes des größten polnischen Regisseur Andrzej Wajda am 9. Oktober präsentieren die Veranstalter seinen letzten Film Powidoki (Nachbilder). Der Film erzählt den Kampf des polnischen Avantgarde-Malers Władysław Strzeminski mit dem Regime in der Ära Stalins. Wajda, selbst Maler, untersucht das Verhältnis von Geist und Macht, das Verhalten des Einzelnen im Angesicht des übermächtigen Staatsapparats. Ewa Brodzka, creativ-producerin und langjährige Mitarbeiterin von Andrzej Wajda, wird anhand des Films über ihre Zusammenarbeit mit Wajda und von der Regieführung des Meisters erzählen.

Zwei weitere Filme in der Reihe Zjednoczone Stany Milosci (United States of Love) i Plynace Wiezoece (Tiefe Wasser), beide unter der Regie des jungen Regietalents Tomasz Wasilewski, handeln von verdrängten Gefühlen und Sehnsüchten. Bei United States of Love werden vier Frauen unterschiedlichen Alters in einer Kleinstadt in der Provinz Anfang der 1990er Jahre porträtiert. Tiefe Wasser zeigt eine schwule Romanze in Warschau 2013. Die jungen Männer kommen aus unterschiedlichem Milieu und entsprechend unterschiedlich reagieren die Familien auf diese Beziehung. Auch im Film von Jan P. Matuszynski Ostatnia Rodzina (Letzte Familie) geht es um eine Familie, drei Generationen des berühmten polnischen Malers Zdzisław Beksinski.

Der Film Wolyn von Wojtek Smarzowski erzählt von einem der dunkelsten, mit Scham belegten Kapitel der polnisch-ukrainischen Geschichte. Er schildert den Massenmord ukrainischer Nationalisten an der polnischen Dorfbevölkerung 1943. Der Regisseur wird seinen Film präsentieren und mit dem Publikum diskutieren.

Die Reihe der neuen polnischen Filme beschließt der Thriller von Maciek Pieprzyca Jestem Morderca (Ich bin ein Mörder). Der Film basiert auf einer authentischen Geschichte aus den 1970er Jahre. Zdzislaw Marchwicki, sogenannter „Vampir aus dem Kohlebecken“ wurde Anfang der 1970er Jahre für mehrfachen Mord (14 Frauen) und Mordversuche (7 Frauen) zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde vollstreckt, obwohl ihm die brutalen Morde niemals nachgewiesen wurden. Die Kinobesucher begleiten die verzweifelte Suche nach dem „Vampir“ und lernen die Methoden und die Denkweise der polnischen Miliz der damaligen Zeit kennen.

Alle Filme werden in Originalfassung mit deutschen oder englischen Untertitel gezeigt.

Mehr Informationen unter www.kinoachteinhalb.de. red./sh

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