Begabtenförderung

Unterricht als Forschungsprojekt – Mannlich-Gymnasium vertritt das Saarland bundesweit

HOMBURG „Sind Kinderprodukte besonders gesund?“ oder „Macht Schokolade wirklich glücklich?“ Das waren nur zwei von einer ganzen Reihe Forschungsfragen des Studientages „Ernährung“ der Beratungsstelle Hochbegabung (IQXXL) am Christian von Mannlich-Gymnasium Homburg.

Eine ganz andere Art des Unterrichts erwartete die 15 d Teilnehmer der dritten und vierten Grundschulklasse, die sich zu diesem Querdenker-Angebot angemeldet hatten. „Querdenkertage“ sind im Ursprung ein Konzept der Beratungsstelle Hochbegabung (IQXXL) in Rentrisch. Das Querdenkerteam des Christian von Mannlich-Gymnasiums, bestehend aus Ulrike Bossung, Johannes Schmitt und Jan Weißler, hat dieses Konzept für den gymnasialen Bereich adaptiert und weiterentwickelt. Die didaktische Idee ist es, fächerübergreifend und entdeckend zu lernen, selbstständig forschend aktiv zu sein, Lernorte zu nutzen, mit Experten ins Gespräch zu kommen. Regelmäßig finden daher Exkursionen statt. Partnerschaften zu Universitäten und Stiftungen haben sich etabliert. Das wöchentliche Angebot für die Mannlich-Schüler findet parallel zum Regelunterricht immer dreistündig jeden Freitag statt. Im Rahmen des Studientages kam es nun zu einer besonderen Kombination: Aufeinander trafen die Studientag-Teilnehmer aus der dritten und vierten Grundschulklasse und die Mannlich-Querdenker aus den Jahrgangsstufen sechs bis neun.

Bei einer Exkursion fanden die Grundschüler im lokalen Supermarkt Edeka Bittner zunächst allein heraus, welche Preisunterschiede es zwischen verarbeiteten und unverarbeiteten Produkten gibt und sie stellten sich nach vorher erarbeiteten Kriterien einen gesunden Teller zum gemeinsamen Frühstück zusammen. Für die spätere Analyse erhielten die Schüler die Aufgabe, selbst einen gesunden Imbiss für den weiteren Schultag zu kaufen. Am späteren Vormittag trafen dann die Nachwuchs-Querdenker auf die Schüler des Mannlich-Querdenker-Programms, die die Grundschüler bei der Suche nach verstecktem Zucker in alltäglichen Lebensmitteln unterstützten. Gemeinsam wurden dazu Experimente durchgeführt. Auch Landrat Dr. Theophil Gallo war gekommen, um sich über das Programm zu informieren. Theresa Meyer und Laura Heckel, zwei Schülerinnen der Mannlich-Querdenker, erläuterten dem Landrat die Online-Lernplattform, mit der die Gruppe seit diesem Schuljahr ihre Arbeitsergebnisse dokumentiert, austauscht und wo auch die tiefer gehende Kommunikation zu den aktuellen Forschungsthemen über die Förderstunden hinaus stattfinden kann.

Nach einem gesunden Mittagessen setzten beide Querdenker-Gruppen die Arbeit zusammen fort, informierten sich zunächst bei Kinderarzt Tamir Biran über Ernährungsmythen im Kontext des Kindes- und Jugendalters. Anschließend legten die Grundschüler anknüpfend an den Vormittag in einem Workshop den Schwerpunkt auf die Unterschiede globaler Ernährung, während die Gymnasiasten mit Ökotrophologin Eveline Lazik anhand verschiedener Kriterien Joghurts und Smoothies auf deren Qualität untersuchten. Dem Team der betreuenden Lehrer geht es mit dem Programm vor allem darum, Leistung als Verantwortung zu verstehen. „Es soll das Potenzial von Schülern geweckt werden, die bereit sind, mit eigener Initiative den Blick auf Details zu richten. Wir fördern Schüler, die sich nicht mit schnellem Wissenskonsum zufriedengeben, die motiviert sind, Veränderungen kreativ mitzugestalten und dafür auch unorthodoxe Denkwege zu gehen“, wie Ulrike Bossung, Johannes Schmitt und Jan Weißler deutlich machten. Diese Verantwortung ist auch Teil jenes Auftrags, den das Gymnasium als UNESCO-Projektschule für sich angenommen hat. Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat im Rahmen ihrer Initiative für potenziell besonders leistungsstarke Schüler in allen Bundesländern Modellschulen ausgewählt, die ihre bewährten Konzepte wissenschaftlich begleitet bundesweit multiplizieren dürfen. Das Ministerium für Bildung fördert diese Schulen auf 10 Jahre hin über besondere Stundenzuteilungen für das Programm. Das Christian von Mannlich-Gymnasiums ist als eine von nur vier Schulen im Saarland und als eines von nur zwei Gymnasien dafür ausgewählt worden. red./jj

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