Aufgaben im Team erledigen

Angestelltengespräch der IG Metall beschäftigt sich mit „indirekter Steuerung“ in Unternehmen

VÖLKLINGEN „Wir leben für unser Unternehmen. Wir stellen unsere Arbeit in den Vordergrund. Wir wollen den Erfolg“, so eröffnete Guido Lesch, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Völklingen das Angestelltengespräch mit dem Titel: Yes, we burn.

Rund 200 Teilnehmer kamen aus den Betrieben ins Kongresszentrum der SHG-Kliniken in Völklingen, darunter Geschäftsführer und Personalmanager.

Wir alle haben die Arbeitswelt in Form der direkten Steuerung erlebt und gelebt, was heißt, der Unternehmer hat die Vorgaben gemacht und alle in der Betriebshierarchie sind den Unternehmenszielen gefolgt, so die Entwicklung unserer Industriegesellschaft bis heute.

Die neue Managementmethode der indirekten Steuerung führt dazu, dass der Unternehmer zur Seite tritt und Aufgaben an Teams bzw. Gruppen im Betrieb überträgt. Viele fühlen sich wohl in dieser neuen Rolle des „Selbst-Entscheiden-Dürfen“. Es entwickelt sich eine neue Freiheit, wie Vertrauensarbeitszeit, Mitgestalten, Mitverantworten und

vieles mehr. Eine ganz spannende Entwicklung mit interessanten Erkenntnissen und Ergebnissen.

Die IG Metall hat mit einem Theaterstück des Kölner Ensemble Xtrameile und einem folgenden Referat des Philosophen Stephan Siemens an diesem Abend einen großen Raum geschaffen, um sich der neuen unternehmerischen Strategie der indirekten Steuerung und deren Auswirkungen anzunähern.

„Ihr seid Junkies einer neuen Sucht. Eine Sucht die neue Arbeit sucht“, sangen Martina Frenzel, Diplom-Psychologin und Signe Zurmühlen, Schauspielerin, um auf das immer größer werdende Problem der Arbeitsintensität und „Selbstausbeutung“ hinzuweisen.

„Die Menschen engagierten sich früher in Vereinen, das ist heute kaum noch so. Heute nimmt die Arbeit den gesellschaftlichen Platz bei immer mehr Menschen ein“, so Stephan Siemens.

Eben genau darum ging es an diesem Abend: Immer mehr Menschen werden krank durch Arbeit, immer mehr Menschen sind ausgebrannt. Burnout ist beispielsweise eine Folge dieser neuen Arbeitsorganisation. Da stellt sich die Frage, wie wir der indirekten Steuerung so begegnen, dass Menschen mitmachen, aber nicht krank werden.

Guido Lesch forderte flächendeckend eine neue Arbeitszeitpolitik. „Wir brauchen verbindliche Regelwerke was Vereinbarkeit, Beruf, Familie, Kultur, Freizeit und Gesundheit anbelangt“. Die IG Metall fordert in der Tarifrunde 2018 in der Metall- und Elektroindustrie einen Tarifvertrag, der die Möglichkeit schafft, dass aus verschiedenen Anlässen, wie Kindererziehung, Pflege der Angehörigen, Gesundheit die Arbeitszeit befristet für zwei Jahre bis zu 28 Stunden reduziert werden kann.

Der Vorsitzenden des Angestelltenausschusses der Geschäftsstelle Völklingen, Roman Riegler, stellte fest: „Die Kolleginnen und Kollegen müssen erkennen, was mit ihnen passiert. Wir müssen den Leuten transparent machen, dass wir ihnen helfen wollen. Regeln wie das Arbeitszeitgesetz oder betriebliche Regelungen sind zum Schutze der Arbeitnehmer da und sind kein Hindernis“. red./am

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