„Das Glück kommt nicht zu Fuß“ vorgestellt

16. Januar 2013 
Autorin Ines Kiefer stellte ihr Buch in der Gemeinschaftsschule Kirkel vor
Ines Kiefer besuchte die Gemeinschaftsschule Kirkel. Foto: privat

KIRKEL Gespannt erwarteten die Abschlussklassen 9H1 und 9H2 der ERS Kirkel zusammen mit ihren Klassenlehrern Gisela Schwarz und Markus Bohl die Autorin Ines Kiefer, die aus ihrem Buch „Das Glück kommt nicht zu Fuß“ vorlesen wollte.

Zunächst begrüßte die Schulleiterin, Ursula Luckscheiter, den Gast, der die Schule schon mehrfach bei Projekten unterstützte und als Wettpatin bei der Schulveranstaltung „Wetten dass“ teilnahm. Jetzt galt es den Wetteinsatz einzulösen, nämlich den Schülern eine Lesung zu ermöglichen. Schon zu Beginn des Vortrags ging Ines Kiefer auf die Zuhörerschaft ein, die bis dato nur wenig Erfahrung mit Lesungen gemacht hatte, indem sie ihnen kurz den Ablauf erläuterte. Sie eröffnete die Lesung mit Episoden aus ihrem Leben als Teenagerin, um dem 15- bis 16-jährigen Auditorium Bezüge zum eigenen Leben zu ermöglichen. Sie berichtete über das Leben in ihrer Heimatstadt Freiberg in Sachsen, ihre Leidenschaft für das Tanzen, Schwimmen und Joggen.

Ein neues Leben

Es erfolgte ein zeitlicher Sprung nach Bayreuth, wo sie nach dem Abitur eine Ausbildung als Hotelfachfrau begann und den damit verbundenen schmerzenden Füßen durch das Kellnern und stundenlange Stehen. Schnell wurde den Zuhörern klar, dass die geschilderten Strapazen an Bedeutung verlieren, wenn man das fehlende Gefühl in Beinen und Füßen, verursacht durch die Querschnittslähmung, gegenüberstellt. Eine Routineoperation veränderte das Leben von Ines Kiefer nachhaltig. Schon im Aufwachraum bemerkte sie, dass sie ihre Beine nicht mehr bewegen konnte. Es erfolgten weitere Operationen, Krankenhausaufenthalte und Physiotherapien. Ein völlig neues Leben begann.

Sichtlich bewegt verfolgten die Jugendlichen die Beschreibungen des letzten bewussten Gangs und des letzten Kribbelns, das die Autorin in ihren Beinen gefühlt hatte. Ihr weiterer Lebensweg mit der Gründung einer Familie, dem Umzug ins Saarland, beruflichen Veränderungen und der Bestreitung des Alltags fanden ebenfalls Erwähnung.

Ein Highlight war die Teilnahme an einem Modelwettbewerb, bei dem sie es bis ins Finale schaffte, was ihr Leben nun noch einmal beeinflussen sollte, da nun Model-Jobs, Fernseh- und Radioauftritte folgten und sie schließlich ihre Biografie veröffentlichte.

Filmbeitrag

Nach dem kurzweiligen Vortrag erhielten die Schüler Gelegenheit, sich einen Filmbeitrag über die Autorin anzusehen und ihr dann Fragen zu stellen. „Wie kamen Sie auf die Idee ein Buch zu schreiben“, wollte zum Beispiel Josef Butschbach wissen. Bald sah sich Ines Kiefer einer Vielzahl an Fragen über ihre Familie, ihren Alltag, Probleme als Rollstuhlfahrerin oder ihre Zweitkarriere ausgesetzt, die sie mit viel Empathie beantwortete.

„Es war eine Herausforderung, für eine jugendliche Zuhörerschaft zu lesen, hat mir aber sehr viel Spaß gemacht“, stellte Ines Kiefer abschließend fest. Viel zu schnell vergingen die 90 Minuten und alle Zuhörer begleiteten die Autorin noch zu ihrem Auto und bestaunten das technische Equipment, das ihr das Autofahren und die damit verbundene Mobilität garantiert.

„Diese Veranstaltung hat den Schülern Einblicke in die Arbeit einer Autorin gegeben, ihren Horizont im Umgang mit Behinderungen erweitert und gezeigt, dass viele Dinge, die wir als selbstverständlich erachten, nicht selbstverständlich sind“, resümierte Deutschlehrer Michael Bollenbach. red./sb


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